Pu Erh Cha – Wir reisen für Sie zu den Qingmao nach Yunnan


Schon sehr bald geht es los und die Vorfreude steigt von Tag zu Tag! Am 21. April reisen wir nach China, in die Hauptstadt des Autonomen Bezirks Xishuangbanna, Jinghong. Diese liegt ganz im Süden der Volksrepublik in der Yunnan Provinz direkt am Mekong Fluss (in China Lancang) und ist unser Startpunkt für die kommende abenteuerliche Teereise. Von dort aus reisen wir zu den Qingmao (Unterart des Teestrauchs Camellia sinensis), durch Wälder und Dörfer, und begeben uns auf einen Pfad chinesischer Kultur und Traditionen. Wir werden die  Produktion des Pu Erh Tees von der Pflanze bis zum fertigen, in Papier gewickelten, gepressten Fladen vor Ort miterleben. Gerne nehmen wir Sie auf unsere Reise mit und veröffentlichen hier unsere Erfahrungen in Bild und Schrift.

Freitag 01.05.2015 – Ein paar letzte Tassen Tee mit Atong – Was läuft falsch mit Yencha, Felsentee?

Nachdem ich heute morgen in Yingge noch einige wunderschöne Teekannen und Teecups ausgesucht hatte, trafen wir, die noch anwesenden Reiseteilnehmer, uns am Nachmittag mit Meng Lin bei Atong, um uns zu verabschieden und noch einige Tees miteinander zu trinken.

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Wir fingen an mit einem gebissenen 2005 Qinqxin Tenbei (=Holzkohle), der wirklich wunderschön war. Gefolgt wurde dieser von einem Lala Shan Qingxin Tenbei, aus dem letzten Frühjahr, ein Tee von Teebauern Zheng, den wir 2013 besuchten. Im Anschluß fing Atong an, seine Schätze hervor zu holen, einen 1985 Dong Ding Gui Fei, der von Zikaden befallen war, dann einen 2005er Phönix Dan Chong (Einbaumtee).

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Einige dieser Tees werden wir in Kleinstmenge im Laden haben und sie können vorbestellt werden. Generell gilt: Sagen Sie Bescheid, wenn Sie etwas von den Tees, beziehungsweise Räucherwerk aus dem Blog interessiert. Wir können sicherlich etwas davon besorgen!

Im Kontext des Phönix Dan Chong kam die Frage auf, was er von Yencha, dem Felsentee denkt. Meng Lin übersetzte die Frage und der Meister verzog das Gesicht. Die Situation sei sehr schlecht und der Zustand der Pflanzen furchtbar. Es würde zu viel und zu oft gepflückt, da die Tees teilweise extrem hohe Preise erzielen und die Nachfrage sehr hoch ist. Die Verarbeitung sei furchtbar. Die Blätter werden viel zu heftig beim Welken angefasst. Dann gibt es keine Ruhephasen für die Reifung der Blätter, man gibt sie direkt nach dem Welken zu 300 Kg in die Bambus Rollkörbe, wo das Rollen natürlich nicht sorgfältig ist. Die Oxidation wird der Einfachheit halber direkt in den Rollkörben erledigt und dann wird sofort erhitzt und viel zu stark geröstet. Das Ergebnis ist ein toter Tee, der einem „wie ein Boxer mit der Faust ins Gesicht schlägt“, ein guter Tee sei aber, so Atong, wie Taichi. Sanft, fließend und doch kraftvoll und ausdauernd.

Wir probierten einen sehr teuren Yencha, den Atong vor vier Jahren einmal geschenkt bekommen hatte und wussten genau, was er meinte… Kein Genuss, vor allem mit der Erfahrung im Tee, die wir alle hatten.

Um unsere Sinne wieder etwas zu besänftigen gab es noch drei weitere Tees, einen 2005 Huang Zhixang, sehr lecker, aber nicht mehr zu bekommen, einen 2006er Huang Yin Gui aus der Winterernte, toller Tee und tatsächlich noch zu haben und zum Abschluss eine Rarität, einen 1975er Muza Meizhan. Diese Teesorte ist nicht mehr zu bekommen und sie wird in Muza auch nicht mehr angebaut. Ein fantastischer Tee mit Edelholznote und einen extrem langen Abgang. Wirklich ein einmaliges Teeerlebnis, mit dem leider unsere Teereise 2015 endete.

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Ich kann mich im Abschluss nur bei allen Teilnehmern bedanken, denn durch ihre Fragen konnte ich sehr viel lernen. Besonderen Dank schulde ich aber Meng Lin, denn ohne ihre Organisation und ihre Übersetzung wäre diese Reise nicht möglich gewesen.

Morgen geht es wieder zurück nach Frankfurt, seien Sie gespannt darauf, was ich mitgebracht habe!

Es verabschiedet sich und bedankt sich fürs Lesen

Christof Heinickel

Donnerstag 30.04.2015 – Duftzeremonie und Abschluss des offiziellen Teils der Reise

Ehrlich gesagt konnte ich mir nicht sonderlich viel darunter vorstellen: Duftzeremonie… Was sollte das bloß sein? Rückblickend kann ich nur feststellen, dass dieser Tag meine Sicht auf Räucherwerk so nachhaltig verändert hat, wie die erste Tasse Tee von Meister Chen. Aber der Reihe nach. Zuerst war da eine fast schlaflose Nacht, den bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über dreißig Grad, im Zimmer vielleicht 28, ist einem ruhigen und tiefen Schlaf nicht eben zuträglich. Mein Zustand als wir zur Duftzeremonie aufbrachen war also, gelinde gesagt, etwas erschöpft und müde. Nach einer ca. 30 minütigen Fahrt erreichten wir den Ort der Zeremonie.

thumb_P4300679_1024Meister Jia Hong Chen öffnete uns eine unscheinbare Holztür und wir stiegen eine Treppe in einen kleinen Vorgarten empor, in dem bereits ein Bänkchen mit zwei Papierbahnen stand, dessen Sinn uns sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschloss. Wir zogen unsere Schuhe aus und betraten einen kargen Raum mit Bänken. Der Meister nahm an der Wand gegenüber des Einganges platz, neben ihm ein großer Topf mit einem wunderschönen, getrockneten Busch.

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Jeder von uns bekam eine Tasse mit einer duftenden Flüssigkeit, bei der es sich, wie Menglin übersetzte, um Adlerholzwasser handelt.

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Adlerholz ist ein seltenes, sehr teures Räucherholz aus Asien, das bereits in der Bibel erwähnt ist und das, laut des Räuchermeisters, bereits bei den Urchristen zur Beduftung des Taufwassers verwendet wurde. Vom Armoma her erinnert das Adlerholzwasser an die sehr feine Note in sehr altem Tee, wobei es eigentlich umgekehrt ist. Sehr alter Tee bekommt mit der Zeit eine Adlerholznote. Das Adlerholz in unserem Wasser war 4-500 Jahre alt und soll beruhigend auf den Geist wirken. Dies war wichtig, denn erst wenn wir ruhig und konzentriert seien, würde der Meister mit der Zeremonie anfangen. Solange zeigte uns der Meister erst einmal, wie man selbst Räucherstäbchen macht.

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Man rollt zuerst ein dünnes, feuchtes Bambusstäbchen in einem Holzpulver, welches als Kleber fungiert. Nach einer kurzen Trocknung in der Sonne befeuchtet man es erneut und rollt es in einem anderen Holzpulver, dass später den Duft abgeben soll, in unserem Fall Adlerholzpulver. Beide Pulver lagen auf den Papierbahnen, die ich anfangs erwähnte. Der Vorgang wird so lange wiederholt, bis das Stäbchen die richtige dicke hat. Nachdem wir alle unser Räucherstäbchen fertig gerollt hatten, war es Zeit für die eigentliche Zeremonie.

Wir hatten hatten 4 verschiedene Alter und 3 verschieden Teile des Baums. Die Erfahrung lässt sich nicht wirklich beschreiben, denn der Duft war einfach wunderschön. Das erste Stück kam von den Zweigen des Baumes und war ca. 100 Jahre alt, das zweite ca. 300 Jahre und aus dem Herz des Baumes, das dritte Stück, ca. 500 Jahre alt und aus der Wurzel. Das letzte Stück war ca. 1000 Jahre alt und ebenfalls aus der Wurzel. Beim Einatmen des Duftes des vorletzten Stückes war ich plötzlich nicht mehr müde und voller Energie, beim letzten Stück schloss ich die Augen und war einfach nur glücklich. Ich kann es wirklich nicht genau beschreiben, aber der Duft des Adlerholzes wirkt sich auf den Körper und Geist aus. Ich werde versuchen, etwas davon zu bekommen und im Zuge einer Teeschulung zu demonstrieren. Ich kann nur, wie eingangs erwähnt, sagen: Dieser Duft hat meine Einstellung zu Räucherwerk verändert und meine Liebe zu alten Adlerholz entfacht. Mit dem letzten Holz endete auch unsere Zeremonie und wir verabschiedeten uns.

Unsere Gruppe trennte sich im Anschluss zum Teil.

Morgen werden wir uns noch bei Atong verabschieden, hoffentlich mit einigen Tassen Tee

Es verabschiedet sich

Christof Heinickel

28.04.2015 – Shi Yang mit Meister Chen

Da heute zwei Abschiedsessen anstanden, gibt es wenig zu berichten.
Hier ein paar Eindrücke aus dem Teehaus, in dem wir unseren „Nachtisch“ genießen konnten.

thumb_IMG_1497_1024 thumb_IMG_1500_1024 thumb_IMG_1511_1024 thumb_IMG_1514_1024 thumb_IMG_1516_1024 thumb_IMG_1517_1024 thumb_IMG_1524_1024Morgen fahren wir nach Yingghe zum Einkaufen.

Der nächste Bericht folgt dann am Donnertag.
Viele Grüße aus Taiwan
Christof Heinickel

27.04.2015 – Ylan country und Shi Ding

Heute fuhren wir mit Atong nach Ylan.
Ylan, das an der Ostküste Taiwans liegt, ist, so heißt es, der Vorgarten von Taipeh. Dorthin fahren am Wochenende und an den Feiertagen viele Einwohner von Taipeh um die gute Luft und die schöne Natur zu genießen. In Ylan ist die Natur besonders ursprünglich, da die Provinzregierung jede Art von Industrie verboten hat. Wir waren allerdings nicht wegen der schönen Natur dort, sondern um einen Teebauer zu besuchen, der 5 Jahre in Folge den ersten Platz beim Nationalen Teewettbewerb bei verschiedenen Tees gewonnen hat. Wir besuchten ihn nicht, wie man erst denken könnte, um fantastischen Tee zu trinken, sondern um zu sehen, was die heutige Mode bei der Teeherstellung dem Tee antut.

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Als erstes konnten wir uns die Produktion von Paochung anschauen. Dies war einer der Tees, für die der Bauer bereits einen ersten Preis gewonnen hatte.

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Es roch sehr grasig und nach unreifen Bananen in der Produktionshalle, obwohl seine Helfer bereits am Erhitzen waren. Der Paochung hatte keinerlei ersichtliche Oxidationsspuren und sah aus wie Grüntee. Dieser Tee war offensichtlich nicht reif genug geerntet, nicht ausreichend gewelkt, zu schnell gewendet und nicht genug in der Trommel erhitzt. Mir schwante nichts Gutes.

thumb_P4270609_1024Anschließend führt uns der Teebauer auf ein Feld von ihm, das kurz davor war, geerntet zu werden. Dort waren auch drei Reihen Formosa Oolong Nr. 20, eine relativ neue Art Oolong, die noch nicht lange vom National Tea Institute freigegeben war.

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Diese Reihen erntete er nicht mehr, nur noch die daneben stehenden Reihen Qingchin Oolong. Diese Büsche sagen sehr gestresst aus und hatten zusätzlich Blätter ausgetrieben, sodass das Pflückgut wegen der unterschiedlichen Blattgrößen eigentlich überhaupt nicht für die Teeproduktion geeignet ist.

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Normalerweise sollte man diese Büsche erst einmal ruhen lassen, damit sie sich erholen können, aus Profitgründen macht dies der Teebauer aber nicht.

Wir liefen nun zurück zur Fabrik. Dort hatten Atongs Schüler gefüllte Teigtaschen für jeden von uns  besorgt und Meng Lin bat uns, uns freundlich zu geben und zu lächeln, wenn wir den Tee des Bauers verkosten, bald wussten wir auch, warum.

Zuerst goss der Bauer einen Schwarztee auf, der ganz vernünftig war, dann einen prämierten Paochung. Die Tasse war sehr trüb, der Tee scharf, bitter und sauer. Nicht die reife Süße eines gut gemachten Tees!

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Atong unterhielt sich mit dem Bauern, dessen Laune stetig schlechter wurde. Plötzlich stand er auf und verließ den Raum. Meng Lin erklärte uns, dass Atong keinen Tee von ihm kaufen wollte und gesagt hat, dass er das erst tun würde, wenn er reifes Material anständig verarbeiten würde. Der Bauer habe sich dann aufgeregt und ihm an den Kopf geworfen, dass so einen Tee doch niemand haben will. Dann hörten wir den Bauern in der Produktionshalle nebenan nur noch schimpfen. Meng Lin und Atong kauften dann noch eine kleine Menge Schulungsmaterial, wir bedankten uns höflich und brachen auf Richtung  Shi Ding, dem Hauptanbaugebiet für Fo Shou, Buddha Hand Oolong. Nach einer guten Stunde Fahrt, es hatte inzwischen angefangen zu regnen, kamen wir in Shi Ding an. Wir stiegen an einem Teefeld aus und betrachteten uns die Fo Shou Büsche. Was für riesige Blätter! Das Blatt des Fo Shou ist ca. 3x so groß wie ein gewöhnliches Teeblatt.

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Es gibt ihn in zwei Varianten, rote Knospe und grüne Knospe Buddha Hand und in zwei Fertigungsarten, streifenförmig und kugelförmig gerollt. Buddha Hand ist eine früh treibende Pflanze, man kann gute Qualitäten bereits Mitte April ernten.

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Wir waren wirklich überrascht, dass die Blätter so dick waren, wo doch Fo Shou Tee aus sehr dünnen Blättern besteht. Gut gefertigt hat der Tee ein Aroma, dass an die Zitrusfrucht Buddha Hand erinnert und das Blatt hat die Form der segnenden Hand Buddhas. Daher kommt auch sein Name. Atong entdecket dann auf der anderen Straßenseite Tie Guan Yin Pflanzen.

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Diese kann man sehr gut an ihrer gewellten Form und seinen sehr fleischigen Blättern erkennen. Der taiwanesische Tie Guan Yin hat eine sehr schöne tiefe und wird im Gegensatz zu seinem chinesischen Namensvetter stärker oxidiert und dann geröstet.

Nachdem wir ziemlich durchweicht vom Regen waren, stiegen wir wieder ein und fuhren zurück nach Taipeh.

Nach diesem lehrreichen Tag verabschiedet sich

Christof Heinickel