Familie Kadota aus Miyazaki mit Stolz und Tradition

Wir erreichten den Bahnhof mit dem Bummelzug gegen Mittag. Am Bahnhof wartete ein Taxi auf uns, denn die Tee-Produktion der Kadotas war in vollem Gange. So fuhren wir zum kleinen Hof dieser wunderbaren Familie und die Szenen die uns dort erwarteten berührten uns sehr.

Wir betraten den Innenhof und folgten den Geräuschen der Teemanufaktur. Auf einmal erschienen Vater Junji und Sohn Yusuke Kadota im Tor zur kleinen Produktionshalle und empfingen uns mit einem freudigen lächeln. Doch auch die Müdigkeit stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Während Yusuke uns die Teeproduktion zeigte, erzählte er uns, dass sie aktuell 24 h pro Tag durcharbeiten, da die traditionelle Kamairicha-Produktion in den historischen Woks („Kamas“) viel langsamer abläuft und sie mit vergleichsweise wenigen Werkzeuge bzw. Maschinen klarkommen müssen. So teilen sich Vater und Sohn in 12 h Schichten ein und auch die Oma sowie Yusukes Schwestern und Bruder packen mit an.

 

Man könnte sich fragen, warum sie nicht auf eine modernere Produktion umsteigen, doch Yusuke erzählte uns mit Stolz, dass es nur noch 3 Betriebe in ganz Japan gibt die auf diese traditionelle Art und Weise „Kamairicha“, also trocken erhitzte Grüntees produzieren.

Heutzutage werden in Japan hauptsächlich Senchas (gedämpfte Grüntees) hergestellt, sodass der Anteil der trocken erhitzten Tees weniger als 5 % der gesamten Grüntee-Produktion ausmacht.

 

Familie Kadota verwendet für ihre nachhaltige Teeproduktion nach Bio Richtlinien etwa 100 Jahre alte Produktionswerkzeuge (Kamas) in denen der Tee trocken erhitzt wird. Der daraus resultierende Kamairicha hat einen ganz besonderen Charakter und kann etwas heißer aufgegossen werden, als die meisten Senchas. Der Duft im Produktionsraum war wirklich wundervoll. So schön blumig und frisch und als uns Yusuke einen Tee aufgoss, waren wir wirklich begeistert.


 

Nach dem Mittagessen, dass Yusukes Großmutter und Schwester liebevoll für uns vorbereitet hatten, fuhr er uns auf das höher gelegene „Arasaki“ Feld (330 m). Ein relativ schmales Feld mit etwas Schräglage, in dem Vater und Sohn die ganze Ernte mit einer Handerntemaschine durchführen. Leider sind einige Pflanzen von Insekten befallen, erklärte Yusuke, doch dies gehöre auch zur Natur und ihm sei es sehr wichtig, dass die Teepflanzen eigenständig die Stärke aufbringen, dies zu überstehen.


 

Wir verließen das Feld am Hang, fuhren zurück zur Produktionsstätte und verabschiedeten uns. Die ganze Familie schaute uns winkend hinterher, als wir mit dem Taxi den Hof verließen. Wir waren sehr gerührt von diesem wunderschönen Nachmittag.
Im Zug angekommen, spürten wir wie die letzten Stunden nachwirkten. Wir waren sehr beeindruckt, wie die Familie Kadota zusammenhält und für die ihnen so wichtige Tradition kämpft. Letztes Jahr erhielten sie offiziell das Bio-Verarbeiter-Zertifikat, worauf sie zu Recht unheimlich stolz sind. So sind sie in Japan der einzige Betrieb, der Bio Kamairicha in den historischen Kamas produziert. Eine große Herausforderung, die sie sehr stolz macht. Ihre Tees strahlen eine wunderbare Wärme und Geborgenheit aus und spiegeln die Energie wieder, mit der sie sich für ihre besonderen Tees einsetzen. Unser Besuch in diesem kleinen und außergewöhnlichen Betrieb, hat uns unheimlich berührt, sodass wir ihre Tees auf jeden Fall nocheinmal ganz anders wahrnehmen und genießen werden.


 

Wir sind sehr dankbar dafür, dass Familie Kadota diesen Weg eingeschlagen hat, denn wir finden, dass ihre Kamairichas für die Teewelt eine große Bereicherung sind.

Bis bald und liebe Grüße,

Euer

Kai Schnorr & Florian Lehner

2 Antworten auf „Familie Kadota aus Miyazaki mit Stolz und Tradition“

  1. Lieber Kai, lieber Florian,

    Es war mal wieder schön, von Eurem Blog zu lesen! Ich konnte viel Neues über den wertvollen Kamairicha lernen und vor allem Eure Begeisterung und Euren Respekt für die intensive Arbeit der Familie Kadota spüren. Herzlichen Dank dafür!

    Ist dieser besondere Tee im Gewürzhaus zu finden? Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen in meinem Lieblingsgewürzhaus und verbleibe

    Mit lieben Grüßen an Euch und das ganze liebe Team.

    Christophe Buisson 🌈

    1. Lieber Christophe,

      vielen Dank für deine schöne Nachricht. Ja, Familie Kadota hat uns sehr begeistert und berührt. Es war ein wunderschöner Besuch vor Ort.

      Aktuell führen wir 5 Tees der Familie Kadota. Darunter ist auch der Shincha den Familie Kadota produziert hatte als wir dort waren.

      Wir freuen uns auf deinen Besuch 🙂

      Bis bald und mit herzlichen Grüßen,

      Kai & Florian & Das Schnorr Team

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