Im Haus von Matsumoto San

Als wir uns am Bahnhof begrüßten, regnete es. Die Luft war frisch und klar und die Energie dieses begeisterten Teemenschen verlieh diesem Moment eine ganz besondere Magie.

Matsumoto ist ein energiereicher Künstler, der das Handwerk liebt und sehr stolz auf die Tees ist, die er herstellt. Und das zu recht!


 

Mit einem breiten Lächeln und offenen Armen empfing uns Matsumoto San und seine Schwester am Bahnhof. Wir freuten uns sehr, ihn wiederzusehen.

Zunächst fuhren wir über Serpentinenstraßen durch den Wald zu seinen Teefeldern. Natur pur! Leichter Regen begleitete uns. Leuchtend grüne Teefelder umrandet von dichtem Wald mit teilweise goldfarbenen Blättern. Ein wunderschönes Farbenspiel!
Angekommen zeigte er uns seine verschiedenen Strauchvarianten und erzählte uns von der Ernte seines diesjährigen Shincha Moe.


 

Er erzählte, die Qualität des 2019 Shincha Moe sei toll, doch der Ertrag des Pflückguts sei von 300 auf 200 kg zurückgegangen (ergibt ca. 70 kg fertigen Shincha). Ursache für diesen Einbruch seien die deutlich niedrigeren Temperaturen im Vergleich zum Vorjahr. Doch er vermittelte uns kein Gefühl von Bedrückung, sondern schwärmte vielmehr von dem dichten und kraftvollen Geschmack, der durch das langsamere Blattwachstum in diesem Jahr besonders ist.


 


 


 

Anschließend fuhren wir in sein kleines, aber wunderschön gelegenes Wohnhaus umgeben von einem wilden, sattgrünen Garten mit herrlichen Büschen und einem leuchtend roten, kleinen japanischen Ahorn.
Seine ganze Familie mit Mutter, Ehefrau und Tochter begrüßten uns herzlich und wir betraten die Reisstrohmatten (Tatami) seines schlichten Teezimmers. Traditionell dünne Holzparavents trennten uns von den satten Farben seines üppigen Gartens der nur so vor Kraft strotzte.


 


 

Durch die dünnen Schiebetüren ist man der Natur sehr nahe und spürt die Jahreszeiten voll und ganz. Unsere Teefreunde von Marimo (Fábio & Tobias) erzählten uns, wie sie einmal im Frühjahr in diesem Raum froren, als sie bei Matsumoto San übernachtet hatten und der Wind durch die Holzwände heulte.


 

Matsumoto San ist ein richtiger „Macher-Typ“, dem eine fast kindliche Euphorie innewohnt.
Nachdem er uns mit selbstgemachtem Matcha-Eis verwöhnt hatte (Anm. d. Red.: Das Beste unseres Lebens!)
tranken wir seine Tees und er erzählte von seinem Weg, Tee zu produzieren.


 

Matsumoto San ist sehr praktisch veranlagt. So kam es beispielsweise dazu, dass er seine Tees erst am Nachmittag erntet, weil die Erntemaschinen zur Mittagszeit zu stark nachgefragt waren. Somit welken seine Tees leicht über Nacht, was ihnen einen besonderen Ausdruck verleiht.
Matsumoto San ist ein natürliches Wachstum, ohne künstliche Dünger sehr wichtig. Er möchte keinen Teeblätter haben, die wie eine „gemästete Gans“ sind. Er sagt das die Natur alles liefert was die Teepflanzen benötigen und ist der Meinung, dass seine Tees diskreditiert würden, wenn er sie dem Bio Siegel unterwerfen würde.
Sein Ideal ist, die Tees möglichst im Urzustand zu belassen wie zu der Zeit von Teemeister Sen no Rikyū. Er sagt, dass viele ihre Tees machen, wie man Gänse mästet. Viel Dünger und ein daraus resultierender veränderter Geschmack, der von der Natur abweicht.
Wenn er etwas Dünger einsetzt, wie für die Pflanzen für den Shincha Moe, verwendet er etwas Rapstrester aus Kyushu. Es ist ein sehr wertvoller Dünger, von dem es keine großen Mengen gibt, die im Rahmen von Kooperationen mit Bauern aus der Region bezogen werden, die wiederum seine Tees anbieten.

Die Verkostung des diesjährigen Shincha Moe war fantastisch. Das langsamere Wachstum durch die niedrigeren Temperaturen haben einen blütigen und kraftvollen Shincha hervorgebracht und wir freuen uns sehr darauf, ihn bald im Laden mit Ihnen und euch genießen zu können.


 

Es grüßen aus Kumamoto, Japan
Florian Lehner und Kai Schnorr

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