Yixing-Kannen Herstellung mit Gipsform

Es gibt viele Möglichkeiten Teekannen herzustellen. Hierbei werden viele Kannen als Yixing bezeichnet, obwohl diese eigentlich nicht von dort stammen. Aus unserer Sicht müssen „echte“ Yixing-Kannen folgende Voraussetzungen erfüllen:


1. Der Ton muss aus Yixing stammen
2. Die Kanne muss auch dort hergestellt worden sein.

Da der Begriff „Yixing-Kanne“ nicht geschützt ist, werden viele Kannen unter dieser Bezeichnung verkauft, auch wenn sie eine oder gar beide Voraussetzungen nicht erfüllen.

In diesem Beitrag möchten wir kurz auf die beiden Aspekte eingehen.

Zu 1.: Yixing-Tone werden in zwei Hauptkategorien unterteilt: Zisha (auch Zini genannt, eher dunkelbraun) und Zhuni („Djuni“, rot-orange, wobei die Farbgebung durch die Brenndauer beeinflusst werden kann).

Zu 2.: In Yixing, werden Kannen entweder als sog. Künstler-Kannen (a) oder unter Zuhilfenahme von Gipsformen hergestellt (b). Eine vollmaschinelle Produktion gibt es in Yixing nicht.

(a) Künstlerkannen werden durch die im vergangenen Beitrag vorgestellte „Klopftechnik“ produziert (Meister Sun, Chao), bei der jeweils nur ein Modell vom Künstler hergestellt wird. Diese Kannen werden, je nach Vermögen des Künstlers, sehr aufwändig hergestellt und verkörpern gewissermaßen sein Wesen oder eine bestimmte Idee oder Haltung, die dem Künstler zum Zeitpunkt der Herstellung innewohnte. Die Symbolik der Kannenform und die Tatsache, dass es sich um ein absolutes Unikat handelt, spielt hierbei eine große Rolle.

(b) Die zweite Möglichkeit Yixing-Kannen herzustellen, ist sich bei der Modellierung einer Gipsform zu bedienen. Auf diese Weise können pro Form etwa 40 – 50 Kannen derselben Form hergestellt werden. Auch diese Methode der Herstellung ist handwerklich sehr anspruchsvoll. Wir durften heute einer solchen Herstellung beiwohnen und versuchen die entscheidenen Schritte im folgenden zu beschreiben.
 

Abb.1: Die vorderste Kanne wurde aus Zhuni-Ton und die zweite aus Zisha- (oder Zini-) Ton hergestellt.
 

Das wichtigste zuerst: Die Kannen, die Meister Zhao in Yixing aus Formen herstellt, sind vollständig handgemacht. Die Form, der er sich bedient ist gewissermaßen ein Werkzeug, das die Herstellung vereinfacht und beschleunigt.

Zunächst wird eine Gipsform nach den Wünschen des Keramikers angefertigt aus der etwa 40-50 Kannen hergestellt werden können, bis das Gips-Material allmählich nachgibt und nicht mehr verwendet werden kann. Bei diesem Schritt ist Meister Zhao immer dabei, dass die entstehende Gips-Form auch absolut seinen Wünschen entspricht und ggf. feine Änderungen gemacht werden können.


Abb.2: Handgemachte Gips-Form zur Herstellung von ca. 40-50 Kannen
 
Den groben Körper der Kanne formt der Meister vor, wie es auch bei Künstler-Kannen praktiziert wird. Entsprechend wird hier geklopft, gedreht und gefühlvoll geformt und immer wieder nachjustiert. Wir waren alle begeistert wie viel Liebe und Sorgfalt auch in diesen Kannen stecken.
 

Abb.3: Meister Zhao beim modellieren einer Schablone
 
Meister Zhao formte zunächst eine Schablone, die nachfolgend den Durchmesser jenes Tonstücks bestimmt, aus welchem im Anschluss der Kannenkörper geformt wird.

Abb.4: Meister Zhao beim modellieren der Kannenwand
 
Ein langer, platt geklopfter Tonstreifen wird waagerecht um die Schablone aufgestellt und ein Zylinder geformt. Daraufhin begann Meister Zhao mit sanftem Klopfen die grobe Kannenform zu erschaffen, welche dann in die Gipsform eingebracht wurde.

Abb.5: Meister Zhao beim Klopfen der groben Kannenform
 
Danach erfolgte das Einpassen des Tons in die Form durch die sanfte Bearbeitung des Hohlkörpers im Inneren der Gipsform. Danach wurde der Boden eingebracht, den Meister Zhao zuvor per Klopftechnik vorbereitet hatte. Nun konnte auch die Kannenöffnung moduliert werden, bevor die Kanne für etwa 1 Stunde in der geschlossenen Gipsform verblieb.
 

Abb.6: Meister Zhao in Gedanken bei dem was alles noch folgt und Menglin hält den „ungeschliffenen Diamanten“
 
Nun war es Zeit die Gipsform zu öffnen und der „ungeschliffene Diamant“ kam zum Vorschein. Auf der Oberfläche waren deutliche kleine Spuren und feine Unebenheiten zu sehen, die laut Meister Zhao nun alle in sorgfältiger Handarbeit (Spachtelarbeiten an der Oberfläche) ausgeglichen werden. Neben dem Kannenkörper wurde uns ebenso gezeigt, wie man den Deckel der Kanne mit einer Gipsform herstellt. Leider hatten wir nicht genügend Zeit, dass Meister Zhao sein Werk vollenden konnte, doch wir haben sehr viel von ihm und seinem Weg der Kannenherstellung lernen können. Die Zeit war gekommen, dass Meister Zhao die zahlreichen Werkzeuge einpackte und sich von uns verabschiedete.

Abb.7: Meister Zhaos Arbeitsplatte
 

Zum Abschluss dieses Beitrages möchten wir noch betonen, dass wir die Erfahrungen, die wir in diesem Blogbeitrag vermittelt haben, Gesprächen mit erfahrenen Tee-Menschen, allen voran Frau Menglin Chou aus Zürich zu verdanken haben, die uns mit großartigen Meistern zusammengebracht hat und selbst über ein profundes Wissen über Keramik und deren Symbolik in der Chinesischen Kultur verfügt. Ein Geschenk, mit dieser Gruppe zu reisen!

Je mehr wir über den Teeweg erfahren, desto klarer wird, wie viel wir noch zu lernen haben.

Es ist wunderbar auf dem Teeweg zu wandeln!

Viele Grüße aus Taiwan
Florian Lehner & Kai Schnorr

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