Hangzhou, Tea Research Institute, 16.04.2012 – West Lake Long Jing

Nachdem wir gestern einen recht ruhigen Tag hatten, fuhren wir heute morgen zum Tea Research Institute, kurz „TRI“.

Das TRI wurde 1958 gegründet und ist das einzige in China. Es deckt alle Bereiche des Teeanbaus mit seinen Forschungen ab. Es gibt unter anderem Abteilungen für Aufzucht, Bodenforschung, Genetik, Bio Anbau (mit EU Akkreditierung) und Pflanzenschutz, Biochemie und für Extrahierung von Teebestandteilen für Lebensmittel und Kosmetik. Darüber hinaus fungiert das TRI, bzw. eine Abteilung als Bio Kontrollstelle für China.  Uns begrüßte uns Mr. Han Wenyan, leitender Professor für Anbau, Pflanzenforschung und Bodenkunde, der auch stark im Bio Bereich tätig ist.

Als erstes wurde uns ein Glas mit einem wirklich sehr guten West Lake Long Jing aufgegossen, dann ein Vortrag über den Teemarkt in Europa gehalten und uns Fragen bezüglich unserer Einschätzung des Marktes und der vergangenen und zukünftigen Entwicklung im konventionellen und Bio Bereich gestellt. Nach vielen weiteren Fragen und Gläsern Tee war es dann Zeit für das Mittagessen.

Hier erfuhren wir einige neue Informationen rund um den Long Jing, dessen Ursprung am West Lake liegt. Die verwendete Pflanze ist hauptsächlich die Long Jing Nr.43, die anders als uns in En Shi erklärt wurde, speziell für den Long Jing gezüchtet wurde. Der Tee wird am West Lake, dessen Teefelder unter UNESCO Schutz stehen, hauptsächlich von kleinen Bauernfamilien mit weniger als einem Hektar angebaut, selbst verarbeitet und wegen des hohen Preises auch selbst verkauft. Die Produktion von Tee mit dem Namen Long Jing darf in China nur in Zhejiang, genauer am West Lake, in Qiang Tong/ Hangzhou und in Souxing erfolgen und kann deshalb die innerchinesische Nachfragen nicht decken. West Lake Long Jing in bester Qualität und aus frühster Ernte kostet hier vor Ort gerne 1600 Euro pro Kg und mehr. Auch interessant war, dass es am West Lake laut TRI keinerlei Bio Anbau gibt, denn der Ertrag bei Bio ist geringer, der Preis dafür gleich und in Anbetracht der erzielten Preise für das Kg ist es für die Bauern hier nicht interessant, auf Bio umzustellen. Nach dem Mittagessen führte uns Mr. Han durch das TRI, wo gerade West Lake Long Jing hergestellt wurde. Die traditionelle Herstellung läuft anders als die Herstellungen ab, die wir in vorherigen Berichten beschrieben haben und ist in zwei Phasen unterteilt. In Phase 1, dem Sa-qing (siehe vorherige Berichte), werden jeweils ca. 100 g bei hoher Temperatur in tiefe, elektrisch beheizte Pfanne gedrückt, wobei der Tee kleine Blasen wirft und leicht „brutzelt“.

Dies wird wiederholt, bis eine Menge von ca. 300 g zusammen gekommen sind. Nun lässt man die Blätter für 1 Stunde ruhen, damit sie abkühlen können und sich die Feuchtigkeit gleichmäßig im Blatt verteilt. Danach erfolgt Phase 2, das Formgeben und trocknen, das ca. 40 Minuten in Anspruch nimmt., dabei entsteht die flache Form und der Glanz des Long Jing.

Von den 300 g Tee zu Anfang sind jetzt ca. 60 bis 70g übrig geblieben. Man kann grob sagen, dass man aus 4,5 bis 5 Kg Rohblättern 1 Kg an fertigem Long Jing erhält.

Weiter ging es nun zu den Versuchsfeldern, auf denen über 200 Pflanzen von verschiedenen Teegewächsen standen, die sich durch Farbe und/oder Form der Blätter unterschieden. Das TRI verfügt über einen  Pool von 300 verschiedenen Teepflanzen.

Wir entdeckten einige Schädlinge an den Blättern und fragten, wie diese bekämpft würden, worauf uns Mr. Han erklärte, dass in erster Line versucht wird, mit nicht chemischen Stoffen zu arbeiten. So gibt es Bakterien, Viren und Pheromonfallen, mit denen die Schädlinge bekämft werden, nur wenn dies nicht gelingt, wird im Sommer nach der Ernte gespritzt. Die Viren, die  gegen die, je nach Übersetzung Tausendfüßler oder Raupen eingesetzt werden, werden am TRI gezüchtet. Man züchtet sie auf den Schädlingen selbst, extrahiert sie und hat ein biologisches Abwehrmittel, das dann von den Bauern eingesetzt werden kann.

Nach einem kurzen Besuch des institutseigenen Ausstellungsraum über Teeherstellung und Verwendung seiner Inhaltsstoffe war es Zeit zu gehen. Wir bedankten uns für den Interessanten Austausch und machte den Treffpunkt für unseren morgigen Besuch im Bio Teegarten aus, vorher werden wir aber noch das chinesische Teemuseum erkunden.

 

Wir freuen uns auf morgen und grüßen aus China.

 

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

 

Hangzhou, 15.04.2012 – Eindrücke aus dem Teehaus

Da heute Sonntag ist, gönnten wir uns einen Besuch im Teehaus direkt am West Lake. Zuerst fanden wir den Preis von umgerechnet über 20 Euro extrem überteuert, nachdem wir aber erfuhren, dass dies für Speisen und Tee (Lung Ching 1st Grade, ein Special Grade Lu Cha und ein Phoenix Dan Chong) für unseren kompletten Besuch galt, relativierte sich der Preis. Kurzum, wir blieben und erlebten die wohl tollste(n) Teestunde(n) unseres Lebens und unser Spaziergang um den West Lake. Hier ein paar Impressionen des Tages.

Morgen steht bei uns das Tea Research Institute und ein Besuch im Teemuseum auf dem Terminplan. Wir werden sicherlich wieder viel Interessantes berichten können.

So geht dieser Sonntag zu Ende und wir freuen uns auf morgen.

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Wuhan, 14.04.2012 – Mr. Wangs Büro / Teeverkostung

Heute sollte der bisher interessanteste Tag unserer Reise werden. Nach dem Frühstück wurden wir vom Mitarbeitern von Mr. Wang, dem Chef der Teefirma in Wuhan, abgeholt und zu seinem Büro gebracht. Nach der sehr freundlichen Begrüßung bat er uns, Fragen zu stellen, die uns in Enshi nicht beantwortet werden konnten. Wir kamen ziemlich schnell auf das Thema Yu Lu, in japanische Lesung „Gyokuro“, zu sprechen. Wie uns Mr. Wang erklärte, wurden für das Sa-qing (Inaktivierung der Enzyme durch Wärme) beim Yu Lu früher spezielle Dämpfungsmaschinen verwendet. Das Sa-qing mit Dampf geht laut Mr. Wang auf die Sung Dynastie, 960 bis 1280 n.Chr. zurück. Dort wurde der Tee mit großem Arbeitsaufwand gedämpft, weiterverarbeitet und teilweise zu Pulver für die Teeherstellung zermahlen. Zu dieser Zeit wurde diese Technik, den Tee zu verarbeiten auch nach Japan gebracht. In Japan hat man seitdem die Dämpfungstechnik beim Tee stetig weiterentwickelt, wohingegen das Ende der Sung Dynastie, bzw. der Beginn der Ming Dynastie einen Wechsel in der Art der Teeherstellung einläutete. Dem Mönch Zhu Yuan Zhang, dem Begründer der Ming Dynastie, war die extrem personalaufwändige und für ihn verschwenderische Art, Tee herzustellen ein Ärgernis. Er bestimmte, dass der Tee nun anders herzustellen sei und begründete damit die Blatt-Tee Kultur in China. Heute wird das Sa-qing mit Dampf, im Speziellen für Yu Lu, so gut wie nicht mehr eingesetzt, weil fast niemand mehr die Fähigkeit hat, die Dämpfzeit so zu regulieren, dass der Tee nicht „durchgekocht“ wird und es fast keine der alten Maschinen mehr gibt. Mr. Wang, der genau so begeistert von Tee ist wie wir, teilte uns aber mit, dass er noch eine Maschine gefunden hat und einen Teemeister kennt, der sie noch bedienen kann. Er wird, wie er uns sagte, diese alte Herstellungsart dieses Tees wiederbeleben und ihn uns anbieten, sofern er seinen Qualitätsmaßstäben entspricht. Wir waren begeistert!

Nun wurde Tee gebracht, wobei es sich bei allen Tees von Mr. Wang um fair gehandelte Bio Tees handelt. Der Lung Ching, den man für uns aufgoss, hatte einen schönen Duft mit viel Süße und ein leichtes Röstaroma vom Pfannenrösten (hierzu mehr in den nächsten Tagen). Leider hatte der Tee aber auch eine leichte Bitternote, die uns nicht sehr zusagte.

Als nächstes kam ein gelber Tee, ein Yellow Bud aus Yunnan. Auf die Frage, wie genau gelber Tee hergestellt wird, sagte uns Mr. Wang, dass er genau wie weißer Tee hergestellt wird. Dieser welkt nur, wobei er leicht oxidiert und wird im Anschluss getrocknet. Beim gelben Tee gibt es allerdings noch einen Zwischenschritt, das so genannte Pile Yellowing. Nach dem Welken wird der Tee zu Haufen aufgeschüttet, um einige Stunden zu oxidieren, danach erfolgt auch wieder die Trocknung. Das Aroma dieses Tees war großartig, denn er hatte den leichten, feinen Geschmack von weißem Tee, aber zusätzlich eine spezielle, fruchtige, leicht nussige Note, die man nicht im weißen Tee findet, dazu den typischen Yunnan Duft. Da wir nun endlich einen wirklich guten gelben Tee gefunden haben, werden Sie diesen zukünftig bei uns im Sortiment finden. Nun wechselten wir zu Pu Erh und bekamen sowohl einen Sheng-, als auch einen Shu Pu Erh zum probieren. Der Sheng Pu Erh war ein 2008 Saiqing Tuo Cha, ein nicht postfermentierter heller Pu Erh. Dieser Bio Pu Erh gefiel uns durch sein schönes tiefes, kraftvolles Aroma und sein offensichtliches Potential zur Lagerung. Der Zweite war ein organic Palace Shu Pu Erh von 2006, ein postfermentierter Pu Erh mit tiefroter Farbe, welcher uns durch sein mildes Aroma mit Edelholznoten und ohne den oft in Shu Pu Erhs zu findenden Modergeruch fastzinierte. Bei beiden Tees besteht die gute Chance, dass wir sie Ihnen zukünftig anbieten können. Als letztes goß man für uns einen Bio Qilan Tie Guan Yin von 2011 auf. Hierbei handelte es sich um einen Shu-xang (ripe type) Oolong, der nach der Produktion noch länger geröstet wurde. Der Aufguss, welcher eine Bernsteinfarbe und einen tief-fruchtigen Duft aufwies, war für uns sehr kräftig. Wie wir erfuhren wurde der Tee 3 Minuten mit sehr viel Tee aufgegossen, da aber sein Geschmack trotzdem viel Potenzial aufwies, baten wir darum, den Tee selbst aufgießen zu dürfen. In der Teeküche bereiteten wir den Oolong wie bei uns im Geschäft zu, dass heißt in der Tonkanne, den Boden leicht mit Blättern bedeckt und mit 30 Sekunden Ziehzeit. Was für ein Unterschied! Der Tee lebte richtig auf und der zweite Aufguss wurde noch viel schöner. Wir freuten uns, als Mr. Wang sagte, dass noch ein Restbestand auf Lager sei, welchen wir uns gleich sicherten. So können wir Ihnen zukünftig auch im Oolong Bereich einen sehr guten Tee in Bio Qualität anbieten, der Sie, so sind wir sicher, begeistern wird. Nun war es an der Zeit, Mr. Wang auf Wiedersehen zu sagen, denn es wurde langsam Nacht in Wuhan. Morgen fliegen wir sehr früh zum Westlake, der Heimat des Lung Ching. Wir freuen uns, ihnen dann von dort zu berichten zu können.

Wir verabschieden uns aus Wuhan und wünschen ein schönes Wochenende

Renate Ott Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Fengxiangpo, Freitag, 13.04.2012 – Besuch des Teedorfes / Rückflug nach Wuhan

 

Heute ging unser Rückflug nach Wuhan, auf dem Weg dorthin hatten wir aber noch die Möglichkeit, das Teedorf Fengxiangpo zu besuchen. Die dort lebende Minderheit der Dong begrüßte uns am Eingang des Dorfes mit Reisschnaps, bunten Schals und einem Begrüßungslied. Gesang und Musik ist für die Dong sehr wichtig, denn bei Ihnen gibt es das Sprichwort „Essen ist für den Körper, Gesang für die Seele“.

In einem etwas höher gelegenen Teil des Dorfes stand eine große Statue von Lu Yu, dem weisen Mann des Tees, der zwischen dem 600 und 700 n.Chr. die erste Schrift verfasste, die nur von um Tee und dessen Zubereitung handelte. Rings um die Statue waren fast ausschließlich Teefelder zu sehen, auf denen die Dong Tee ernteten. An der höchsten Stelle der Teefelder stand ein Tempel, der der Großmuttergottheit geweiht war, die die Dong verehren.

Wir setzten unseren Rundweg vorbei an Teebüschen fort, zwischen denen Obstbäume gepflanzt waren, die Ihren Schatten auf die Teebüsche warfen. Wir erführen, dass dies die traditionelle Art ist, den Tee zu beschatten, damit er mehr Süße bekommt. Hierzu werden vier verschieden Obstbaumarten verwendet, die, laut den Dong, dem Tee mehr Süße geben.

Nach dieser Interessanten Entdeckung kamen wir am Teehaus an, wo für uns schon Jian Feng, einem Tee aus einer Knospe und einem Blatt in Säbelform bereit.

Für unseren Geschmack hatte dieser aber zu viele Bitterstoffe und so wurde für uns Mao Feng, der nur aus Knospen bestand. Dieser, nach seiner Haarform benannte Tee begeisterte uns vom Blatt getrunken zutiefst mit seiner feinen Süße, seiner klaren Tasse und seinem wunderschönen Duft.

Eventuell werden wir Ihnen in der Zukunft diesen Tee auch anbieten können, dies steht aber leider noch nicht fest.

Nach dem Mittagessen ging es weiter zum Flughafen zu unserem Flug nach Wuhan, wo wir morgen eine große Teeverkostung geplant haben, über die es sicherlich viel zu berichten gibt.
Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Ban-chang, Donnerstag 12.04.2012 – Lü Zhen (grüne Nadel)

Es regnete als wir heute morgen nach Ban-chang aufbrachen um uns die Produktion von Lü Zhen anzuschauen. Lü Zhen wird aus der gleichen Pflanze wie unser Cui Lü, E-cha Nr.10 hergestellt, unterscheidet sich aber beim Erntezeitpunkt. Er wird direkt am Anfang der Ernte, ca. eine Woche vor dem Cui Lu gepflückt. Lü Zhen besteht als 1st Grade, der gerade produziert wurde aus einem Blatt und einer Knospe, wobei es auch noch eine seltene und sehr gefragte Qualität gibt, bei der ausschließlich eine Knospe gepflückt wird.

Zuerst erfolgt das gestern bereits beschriebene Sa-qing bei ca. 100°C, nach dessen Abschluss die Blätter, welche nun ca. 30% ihrer Feuchtigkeit verloren haben, schnell mit Ventilatoren heruntergekühlt werden.

Beim Verlassen der Sa-qing Maschine werden alte und beschädigte Blätter sowie Stile aussortiert, die für die Teebeutelherstellung verwendet weden.  Der nun folgende Rollprozess ist erneut der gleiche wie gestern, wobei wieder 10 Minuten ohne Druck, 15 Minuten mit leichtem und 10 Minuten mit mittlerem Druck gerollt wird.

Nach Abschluss des Rollvorganges werden die Blätter mit Hilfe eines Förderbandes in einen Etagentrockner transportiert, wo Ihnen weitere 20 Prozent an Feuchtigkeit entzogen werden. Nun kommen die Blätter in die Formmaschine, die die Blätter sowohl in eine Nadelform bringt, als auch durch Hitze weiter trocknet.

Um die Nadelform noch zu verstärken und die Trocknung abzuschliessen, kommen die Blätter noch für einige Zeit in eine beheizte Trommel.

Durch das doch recht schlechte Wetter mit wenig Sonne hatten die Blätter nach dem Trocknen eine tiefgrüne Farbe.

Nach dem Mittagessen fuhren wir in das Büro der Teefirma nach Xuan´En um Lü Zhen und Yu Lu zu verkosten. Von beiden Tees wurden 3 Gramm in eine Probiertasse gegeben und mit kochendem Wasser übergossen und 5 Minuten ziehen gelassen. Nach dem Abgiessen konnten wir dann die Blätter begutachten und den Tee probieren. Man darf hier keinen normalen, wohlschmeckenden Aufguss erwarten, vielmehr geht es um das Aufzeigen von Fehlern und die Einschätzung der Qualität des Tees, denn es wird alles aus den Blättern herausgelöst.

Nach unserer Verkostung stellten wir die Frage, ob es auch die Möglichkeit gäbe, den Lü Zhen 1 Bud zu verkosten, den ich bereits eingangs erwähnte. Wir hatten großes Glück, denn aufgrund des kalten Wetters und des daraus resultierenden späten Erntebeginns war dieser noch verfügbar. Wir waren begeistert! In unserer Tasse befand sich ein wunderbar spritziger, duftiger Grüntee mit schöner Süße, etwas wirklich ganz Besonderes! Auf unsere Frage hin, ob dieser Tee noch verfügbar wäre sagte man uns, dass es noch eine letzte Pflückung geben werde, die noch nicht verkauft sei, denn diese speziellen Pflückungen sind meistens schon vorab ausverkauft. Wir konnten eine geringe Menge dieses wunderbaren Bio  Grüntees reservieren. Voraussichtlich wird er Ende Mai bei uns eintreffen und wir freuen uns darauf, diesen mit Ihnen zu probieren. Da es leider den ganzen Tag so stark regnete, konnten wir die Neuanpflanzung Yu He Ping nicht besuchen.

Morgen Abend werden wir von En Shi nach Wuhan fliegen und auf dem Weg zum Flughafen noch ein Teedorf besuchen. Den Bericht hierzu finden Sie morgen hier.

 

Es verabschieden sich aus der Ferne und bedanken sich fürs Lesen

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Ma-an Shan, En Shi, Mittwoch 11.04.2012 – Yu Lu

Heute morgen brachten uns unsere Fahrer zum Ma-an Shan (Ma-an = Sattel, Shan = Berg). Dort baut eine Kooperative von einigen Teebauern ausschließlich Bio Tee an.In der dortigen Teefabrik konnten wir bei der Produktion von Yu Lu (japanische Aussprache: Gyokuro) aus der Teepflanze Long Jing No. 43.  dabei sein. Zuerst werden hierfür die frisch gepflückten Blätter auf Bambusmatten zum Welken ausgebreitet.

Die Blätter, die heute verarbeitet wurden, wurden am Nachmittag des Vortages gepflückt und ausgelegt.Der zweite Schritt ist das Sa-qing, was übersetzt soviel wie „das Grün töten bedeutet“.

Mit Sa-qing ist der Erhitzungsprozess gemeint, bei dem die Enzyme in den Teeblättern inaktiviert und die Oxidation der Blätter verhindert wird. Bei diesem Prozess werden die Teeblätter in eine lange, sich drehende Trommel gegeben, welche sie bei ca. 100-120°C in 2 bis 3 Minuten durchlaufen. Das Pflückgut , welches für Gewöhnlich aus 2 Blättern und einer Knospe (two leafs and a bud) besteht hat beim Verlassen der Trommel ca. 30% ihrer Feuchtigkeit eingebüsst. Mit 70% Restfeuchte lassen sich die Blätter sehr gut rollen und formen. Alte, einzelne und beschädigte Blätter kommen fast getrocknet aus der Trommel und werden durch Wind aussortiert, da sie viel leichter sind als das restliche Pflückgut.

Als nächstes werden die Blätter in Rollmaschinen gegeben welche die innere Struktur des Blattes zerstören und so eine gleichmässige Verteilung der Feuchtigkeit innerhalb des Blattes gewährleisten. Diese läuft 10 Minuten mit sogut wie keinem Druck, 15 Minuten mit leichtem und zum Schluß 10 Minuten mit mittelstarkem Druck. Von der Rollmaschine kommen die Blätter in eine Maschine, die die nun stark miteinander verdrehten Blätter auflockert und für die nun folgende Trocknung vorbereiten.

Der nächste Schritt ist die Trocknung im Etagentrockner. Das Pflückgut durchläuft den Etagentrockner von oben her auf verschieden Ebenen, wobei es nach einer bestimmten Zeit immer eine Etage tiefer fällt, bis es die Maschine am unteren Ende recht kühl mit ca. 50 % Restfeuchte verlässt.

Für das Formrollen werden die Teeblätter auf einem mit Heißluft auf 80°C geheizten Tisch ausgebreitet.

Die Mitarbeiter verteilen nun das Pflückgut und rollen den Tee für ca. 20 Minuten bis zur gewünschten Form. Im Anschluss wird der Tee erneut ausgebreitet und trocknet bis auf ca. 8% Restfeuchte.Nach der Produktion konnten wir Fragen stellen, so erfuhren wir zum Beispiel, dass die Teepflanzen, wie in China üblich, in einer Nursery, einer Aufzuchtstation aus Zweigen einer Mutterpflanze gezogen werden. Nach dem Auspflanzen in den Teegärten brauchen die Pflanzen 2 bis 3 Jahre, bis sie erntereif sind und Ertrag bringen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Pflanze ca. 20 bis 30x pro Jahr gepflückt, wobei sie zwischenzeitlich in unregelmässigen Abständen heruntergeschnitten wird. Alle 15-20 Jahre erfolgt das Pruning, ein extremes herunterschneiden, um die Pflanze wieder ertragreich zu machen

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Nachdem wir unsere Fragen gestellt hatten gingen wir auf die Teefelder, wo uns Frauen aus der Volksgruppe der Tuo-jia in traditionellen Kostümen Tee für uns pflückten.

Morgen werden wir nach Ban-chang fahren um uns dort die Produktion von Lü Zhen anzuschauen und die Neuanpflanzung Yu He Ping zu besuchen.

Wir freuen uns bereits, morgen darüber zu berichten und freuen uns auf ihre KommentareRenate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Xuan´En, En Shi Dienstag 10.04.2012

Teefelder

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem wir gestern gut in Wuhan angekommen waren, ging heute unser Flug nach En Shi in der Provinz Hubei. Dort wurden wir abgeholt und in die 3 Stunden entfernte Stadt Xuan´En gebracht, wo die dortige Teefirma unter anderem den Cui Lü produziert, einen wunderbar blumigen Tee, den Sie bei uns gerne probieren können.

Die Teefirma fertigt seit 1784 Tee, damals unter anderem auch für den chinesischen Kaiser. Seit 1999 produziert sie ausschließlich Bio Tees in verschiedenen Qualitäten, in 2004 wurde eine Kooperative gegründet, um den Tee auch im Ausland bekannt zu machen und zu exportieren.

Im Büro der Teefirma angekommen, wurde uns frisch geernteter Lü Zhen Grüntee und Yi Hong Gungfu Cha Schwarztee aufgegossen. Lü Zhen ist ein blumiger, kleinblättriger Xin Cha (der erste Tee des Jahres) mit hellgrünem Aufguss und sehr schönem Duft. Der Yi Hong Gungfu Cha ist sehr fruchtig mit schöner Süße und intensivem Duft. Beide Tees tranken wir aus Gläsern direkt vom Blatt, eine sehr unumständliche Art, den Tee zu genießen. Hierzu wurden die Teeblätter direkt im Glas mit fast kochendem Wasser aufgegossen und dann, nachdem der Tee etwas abgekühlt war, getrunken.

Da dies unsere erste wirkliche Tasse Tee seit Frankfurt war, wurde das ein oder andere Glas Tee getrunken. Danach stellten wir erfrischt unsere Fragen zur Arbeit der Teefabrik und zu den getrunkenen Tees und verabschiedeten uns dann, da es schon spät wurde, zu unserem Abendessen. Morgen früh werden wir zuerst die Ernte und dann Mittags die Produktion eines Tees anschauen, wir freuen uns schon, darüber zu berichten.

 

Es grüßen aus der Ferne

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

 

China- und Japanreise ab dem 08.04.2012

Liebe Kunden,

ab dem 08.04.2012 sind wir wieder auf Tee-Entdeckungsreise in China und Japan. Kurz danach werden Sie hier die ersten Reiseberichte aus China finden.

 

Wir freuen uns auf Ihr Feedback!

Renate Schnorr, Alexandra Herzing und Christof Heinickel

Oolong Tee aus Nord Thailand

Nach einer regnerischen Fahrt mit dem Minibus kamen wir Doi Mae Salong an. An der Grenze zu Burma mitten im Regenwald gelegen, befinden sich dort einige groessere Teegaerten.

Der Teegarten, den wir besuchten, wurde vor ca. 20 Jahren gegruendet. Er liegt auf gut 1200 Metern und baut die Pflanzen Jin Xuan, Si Chi Chun, und Soft Stem (Dong Ding Pflanze) an. Wie mir die Besitzerin bei der Teeverkostung erzaehlte, produziert der Teegarten hauptsaechlich fuer den Export nach Taiwan, beliefert aber auch Teefirmen in Europa, so bezieht zum Beispiel Mariage Frères zwei Sorten ihrer Oolong Tees von ihm, den Oolong Nr. 12 Jin Xuan Milky Oolong und die Nr. 17 Soft Stem Oolong. Das besondere an diesem Garten ist, das er sehr eng mit der Urbevoelkerung zusammenarbeitet. Diese arbeiten als Pfluecker in den Teefeldern und auch in der Teeverarbeitung, ebenso liefern sie Tee aus Wildpflueckung, bzw. ihren eigenen kleinen Teefeldern, angebaut ohne zusatz von Duenger oder Pestiziden, an den Teegarten, der daraus eine Spezialitaet, den Ruby Oolong herstellt. Dieser extrem aromatische, zu ca. 80% oxidierte Oolong wurde deshalb hergestellt, weil die Teeblaetter der Ureinwohner auf dem Weg bis zum Teegarten zu oxidieren beginnen und wegen der Farbveraenderung nicht fuer den export geignet sind. Die Besitzerin und der Teemeister des Gartens wollten aber dennoch den Tee abnehmen um die Bauern zu unterstuetzen und kreirten den Ruby Oolong. So entstand ein wirklich ausgezeichneter Tee.
Nach einem sehr interessanten Gespraech ueber Oolong Tee aus den verschiedenen Anbaulaendern und die verschiedenen Teesorten, lud sie mich ein, die Produktion zu besichtigen und den Teemeister des Teegartens kennenzulernen und mit ihm einige Raritaeten und besondere Qualitaetenzu probieren. Die Produktion arbeitet ausschliesslich mit Maschinen aus Taiwan, die wir bereits vor 2 Jahren kennen gelernt haben. Zusaetzlich kommt sehr viel Handarbeit zum Einsatz, denn der Tee wird am Ende des Oolong Prozesses und dann noch einmal beim Verpacken per hand verlesen. Die Produktion nach internationalen Richtlinien zertifiziert und absolut sauber. Nachdem ich die Produktion besichtigen durfte, lernte ich den Teemeister kennen. Mit ihm probierte ich den Jin Xuan Special und den Soft Stem (Dong Ding) Special, zwei wirklich sehr schoen gearbeitete, stark duftende hochland Oolongs mit klarer, sehr schoener Tasse. Der Jin Xuan hat eine ausgepraegte, natuerliche Milchnote, der Soft Stem eine ausgepraegte florale Note. Diese beiden Tees und den wild gepflueckten Ruby Oolong werde ich in kleiner Menge mit nach Deutschland bringen, sollten Sie Interesse haben, bitte vorbestellen. Nach einem sehr interessanten Gespraech ueber die Philosophie, die hinter dem Anbau des Gartens und ueber Oolong im Allgemeinen mussten wir leider wieder aufbrechen. Bilder zu diesem Post folgen in Kuerze

Goodbye Japan

Heute ist unser letzter Abend in Japan und wir freuen uns, schon am Samstag ihre Fragen zu den neuen Tees zu beantworten und ihnen viele neue Informationen zum Thema japanische Grüntees bieten zu können.
Wir hoffen Sie hatten viel Spass beim Lesen!

Renate Schnorr, Angelika Herzing und Christof Heinickel