Teipeh/ Atongs Geschäft, Samstag den 04.05.2013

Heute stand ein Teeworkshop mit Atong auf dem Program.

Wir verkosteten viele verschiedene über Holzkohe geröstete, länger und kürzer gelagerte Li Shan, Ali Shan und Dong Ding Oolong. Trotz ähnichem Alter schmeckten einige Oolong weniger nach Holzkohle, einige noch sehr stark. Atong erklärte uns den Grund. Wenn bei der Oolong Produktion, wie wir sie 2009 bereits beschrieben haben, der Tee nicht richtig komprimiert wurde, dass heißt, die kleinen Teekügelchen nicht wirklich kompakt sind, dringt der Geschmack der Holzkohle beim Röstvorgang bis in die Mitte der Kugel ein und bleib auch bei längerer lagerung stark spürbar. Wenn jedoch der Tee ausreichend stark komprimiert ist, bildet der Holzkohlegeschmack eine „Haut“ um den Tee und dringt nicht ein. Die Veränderungen durch die Holzkohlehitze verändert also den Tee, ohne dass die Holzkohle noch vorschmeckt. Dies ist eines der Geheimnisse von wirklich gut geröstetem Tee!

Morgen geht es nach Lala Shan, einem sehr berühmten Teegebiet, dass wir noch nie besucht haben. Freuen Sie sich auf den Bericht!

Christof Heinickel

 

Taipeh/ Wistaria Teahouse, Freitag den 03.05.2013

Heute Mittag traf endlich wieder unsere Gruppe zusammen, die das Unwetter in Jinghong und Kunming ja bis nach Hong Kong verstreut hatte und wir besuchten zusammen Chow Yu im Wistaria Teahouse.

Chow Yu betreibt dieses, über die Grenzen Taiwans berühmte Teehaus seit nun 32 Jahren, genau seit dem 18.1.81. Chow Yu ist Dichter, Maler und Tee Experte mit vielen Veröffentlichungen in nationalen und internationalen Zeitungen.

Nachdem wir an einem Tisch Platz genommen hatten, bekamen wir unseren ersten Tee zur Verkostung, einen 2013 Frühlings Mao Cha aus Yiwu, den Chow Yu in China machen lassen hat.

Als erstes fiel uns die ganz unterschiedliche Sprache des Tees auf. Die Tees von Meister You sind, wie wir fanden, noch tiefer und ausgewogener. Die erkläre ich mir dadurch, dass Chow Yu eine viel größere Menge an Tee produzieren muss, um die Nachfrage in seinem Teehaus decken zu können. Dies soll nicht heißen, dass wir schlechten Tee zur Verkostung bekamen, nur geht leider „Menge“ eigentlich immer zu Lasten von Qualität. Wenn man sich die früheren Berichte in unserem Blog durchliest und sich betrachtet, was genau Gushu Tee ist und wie wenig es eigentlich von diesen Bäumen gibt, sieht man sofort, warum so große Mengen an Tee sehr problematisch zu bewerkstelligen sind.

Anders sah es mit dem Tee aus Chow Yus Privatsammlung aus, den wir danach zum probieren bekamen. Der Tee hieß Yishan Mou Gushu und war ein Single Tree Pu Erh. Hierbei wird für den Tee nur von einem einzigen alten Baum gepflückt und man kann die Energie und das spezielle Aroma dieses einzelnen Baums schmecken. Genau so war das bei diesem Tee. Er hatte ein sehr vollen Geschmack mit feiner Herbe, die sich nach kurzer Zeit in langanhaltende Süße verwandelte. Auch hatte er diesen für Gushu typischen Geschmack nach frischen Austern, süß und maritim, aber überhaupt nicht fischig. Der „Austern“ Geschmack ist fast nicht wahrnehmbar und fast nicht zu beschreiben. Wir werden Gushu Tee bekommen, sodass man diesen Geschmack bei uns kennen lernen kann.

Als letztes bekamen wir die Chance, etwas sehr aussergewöhnliches, rares und teures zu verkosten: Hong Yin von 1950. Hong Yin, oder Red Label. Dieser gelagerte Tee ist voll tiefen Holznoten nach Edelhölzern bzw. Sandelholz und hat eine unglaubliche Süße und langen Abgang. Ein wirklich schöner Abschluss für den Abend , denn alte Pu Erh wirken sehr entspannend.

Ich wünschte ich könnte den Geschmack und den Duft aller Tees, die wir seit Beginn unseres Blogs beschrieben hatte, den Leser schmecken und riechen zu lassen. Da dies nicht geht, freuen Sie sich auf die Verkostungen ab Ende der nächsten Woche bei uns im Gewürz- und Teehaus Schnorr!

Morgen werden wir Atong Chen zum Teeworkshop besuchen, ich werde berichten

Christof Heinickel

Jinghong/Kunming/Taipeh, Mittwoch, 01.05 und Donnerstag, 02.05.2013

Leider ging auf unserem Flug einiges schief. Am frühen Mittwoch Abend fuhren wir zum Flughafen. Dort angekommen stellten wir fest, dass einige Flüge bereits Verspätung hatten, unser Flug sollte aber pünktlich sein. Kurz vor unserem Bording sah plötzlich die Welt um uns aus, als ob jemand eine Dusche aufgedreht hätte, es regnete Bindfäden und die Blitze der Gewitterfront, die über uns zog, waren horizontal und von epischer Größe. Wir waren glücklich, dass uns das Unwetter am Boden erwischte, ungeachtet der Tatsache, dass sich unser Flug um unbestimmte Zeit verschieben sollte. So kam es, dass wir nach dem verspäteten Boarding für 1,5 Stunden in der Maschine saßen, da der Flughafen in Kunming gesperrt war und dann nach dem Flug vor dem Gate in Kunming nächtigen mussten.

Glücklich kamen wir dann gegen 12 Uhr in Taipeh an, um dann sofort nach Yinnghe, der Porzellanstadt zu fahren, denn dort gibt es wunderschöne Teekännchen und Schalen! Hier einige Bilder, die Kännchen sind ab Ende nächster Woche in Deutschland und nur begrenzt verfügbar.

Morgen wird uns der Rest der Gruppe wieder treffen, denn die andere Hälfte der Gruppe wurde nach Hong Kong umgeleitet und hat seine ganz eigene Odyssee hinter sich. Ab Samstag werden die Berichte wieder regelmässiger eintreffen.

Es grüßt aus Taipeh

Christof Heinickel

Yiwu/Jinghong, Dienstag den 30.04.2013

Heute morgen nach dem Frühstück hatten wir kurz Gelegenheit, die Produktion von Teefladen anzuschauen. Leider waren Fotos strikt verboten, daher hier eine kurze Beschreibung.

Zuerst wird der Mao Cha, Rohtee, je nach gewünschter Fladengröße abgewogen und in Metallzylinder gegeben, die an der Unterseite gelocht sind. Die Zylinder werden dann auf einen Dampfauslass gestellt und 25 bis 30 Sekunden gedämpft. Im Anschluss wird der Tee in Baumwollbeutel gefüllt, eingedreht, der Knoten dann in die Mitte des Fladen gedrückt und an den Presser weitergegeben. Der für das Pressen zuständige Mitarbeiter presst dann den Fladen mit einem 25 Kg schweren Stein. Es gibt fester und lockere gepressten Tee, der lockere fermentiert schneller, der festere langsamer. Nach dem Pressen muss der Fladen zuerst richtig auskühlen, dann wird er in der Sonne durchgetrocknet, wobei die Mittagssonne gemieden wird.. Danach wird der Tee zuerst in Papier und dann in Bambus zu Stapel gepackt. Mehrere Stapel werden zum Transport in Bambuskörbe verpackt.

Unser Bus wartete schon auf uns, da wir nach Jinghong aufbrechen mussten. 3 Stunden später kamen wir nach langer, anstrengender Fahrt in Jinghong und damit wieder in der Zivilistation an, den es gab ein Hotel mit westlicher Toilette und sogar heißem Wasser aus der Dusche! Leider konnten wir diesen Luxus nur eine Nacht geniessen, denn am nächsten Tag sollte unser Flug  nach Taiwan gehen. Vorher gab es aber noch eine Teeverkostung mit Meitser You.

Hier einige Bilder der Verkostung

Morgen fliegen wir zuerst nach Kunming und dann am Donnerstag morgen nach Taipeh

Wir freuen uns, zu berichten!

Christof Heinickel

Yiwu/Mahei, Montag den 29.04.2013

Heute sollte unser Ziel Yiwu, bzw. der Ort Mahei sein, den wir nach einer ca. 6 stündigen Busfahrt über teilweise kriminell schmale und steinige „Strassen“ erreichten.

Früher wurde aller Tee, der rund um Yiwu produziert wurde, als Yiwu Tee verkauft. Bedingt durch die immer stärker steigenden Preise und die Beliebtheit von Pu Erh Tee haben die kleineren Orte rings um die Stadt Yiwu aber auch angefangen, den Tee selbst zu vermarkten. Dies bringt viel Geld zu den Bauern und hilft ihnen, den Lebensstandard zu verbessern.

Die Teewälder rund um Mahei beherbergen einige sehr alte Teebäume, einige über 1000 Jahre alt. Dies ist aus dem Grund interessant, da der Tee von solch alten Teebäumen eine besondere Energie und Volumen hat, welche in Plantagentee, so genanntem Taidi Cha nicht zu finden sind. Auch in verlassenem Wald, Huang Shan ist dieser Geschmack nicht so stark ausgeprägt. Als Huang Shan, verlassenen Wald, bezeichnet man Teebäume, die während bzw. der Kulturrevolution nicht mehr gepflückt oder gepflegt und sich selbst überlassen wurden. Die Bauern sollten statt dessen Zuckerrohr und Mais anbauen, um die damalige Hungersnot zu lindern. Die Bäume konnten sich also frei entfalten und verwilderten nach und nach,was sch sehr positiv auf die Tiefe des Geschmacks auswirkt. Leider wurden einige der Bäume „geköpft“, um noch mehr Pflückgut zu erhalten.

Nachdem wir uns den alten Wald angeschaut hatten, Ging es weiter nach Mahei, wo uns nach kurzer Zeit ein Parteifunktionär zum Tee einlud.

Man kann kurz zu dem angeblichen „Gushu“ alter Baum Tee sachen, dass wir schon bessere, echtere dieser Sorte Tee hatten.

Fertig mit Teetrinken führen wir zurück nach Yiwu, um uns die alte Strasse anzuschauen, in der sich im 17 Jahrhundert die berühmten Teegeschäfte befanden. Die Atmosphäre war unbeschreiblich, als ob man in der Zeit zurück gereist wäre.

Noch heute sind diese Gebäude bewohnt und man sieht Kinder spielen und Hühner nach Futter picken.

Da es langsam dunkel wurde, machten wir uns auf Richtung Hotel um nach kurzer Nacht nach Jinghong zu fahren, leider über die gleiche kriminelle Strasse.

Morgen fahren wir nach Jinghong, von wo unser Flug nach Taiwan über Kunming abfliegt.

Leider hatten wir keine Internetverbindung, daher hat es leider sehr lange gedauert, bis wir diesen Bericht online stellen konnten.

Viele Grüße aus China

Christof Heinickel

Lao Ban Zhan, Sonntag 28.04.2013

Heute früh sollte es nach Lao Ban Zhan gehen. Da der Weg für unseren Bus zu schlecht war, warteten vor unserem Hotel schon einige Pick Up Trucks um uns dorthin zu bringen.

Nach 3 Stunden sehr holpriger Fahrt kamen wir an der ersten von 2 Kontrollstationen an. Hier soll sicher gestellt werden, dass keine Tees von den umliegenden Gebieten nach Lao Ban Zhan gebracht werden und als Tee von dort ausgegeben werden. Nach dem zweiten Kontrollpunkt kamen wir dann in Lao Ban Zhan an. Der Ort ist nicht wirklich schön und überall wird gebaut, da der Tee vielen Menschen dort ein gutes Einkommen sichert.

Pian Ge, der Bauer, der uns auch gestern schon begleitete führte uns zu einem befreundeten Teebauer, und goss für uns Tee auf, der angeblich von Lao Ban Zhan sein sollte, wahrscheinlich aber für reiche chinesische Touristen gedacht war, die den Tee nur aus Spekulations- und Sensationsgründen kaufen. Wirklich geschmeckt hat der Tee ebenfalls nicht. Nach der Verkostung gingen wir mit Pian Ge los, um alte, verlassene Teebäume zu besuchen.

Wir kamen an zwei Teebäumen an, die der König und die Königin genannt werden und über 1000 Jahre alt sein sollen. Da der Ort Lao Ban Zhan nachweislich nur 900 Jahre alt sind und die Bäume angepflanzt wurden, hegten wir auch hieran starke Zweifel. Sehr interessant war das Aussehen der Teebäume, denn sie erinnerten von der Form her stark an Obstbäume. Nachdem wir wieder zurück im Dorf waren, ging es auch schon wieder zurück nach Menghai. Abschliessend bleibt zu sagen, dass der Ort Lao Ban Zhan eher etwas für chinesische Touristen ist und es dem Tee bis auf Ausnahmen nicht gut tut, dass der Tee so hohe Preise erzielt und so berühmt ist. So geben sich die Bauern leider überwiegend wenig Mühe, den bestmöglichen Tee herzustellen.

Morgen geht es nach Yiwu, wir freuen uns!

Viele Grüße aus China

Christof Heinickel

Ba Da Shan, Samstag den 27.04.2013

Anders als gestern angekündigt, ging es heute nicht nach Lao Ban Shan sondern nach Ba Da Shan, einem Teeanbaugebiet, dass sich bis auf über 2000 Meter erstreckt. Im Ba Da Shan steht der höchste und älteste Teebaum der Region, ein Baum, den wir unbedingt mit eigenen Augen sehen mussten. Zuerst einmal mussten wir von Menghai zum Ort Ba Da im Ba Da Shan fahren. Der Weg dorthin war mit 2 Stunden angesetzt, aus denen aber dann fast 3,5 Stunden werden sollten, da der Weg schmal, holprig und mit einigen Hindernissen versehen war.

(der Bus setzte auf und musste befreit werden)

Endlich in Ba Da angekommen, wartete schon der Bauer Piang Ge, übersetzt „Schwebender Bruder“, auf uns um uns erst einmal eine Tasse Tee aufzubrühen.

Dann brachen wir mit ihm auf, den alten Baum zu besuchen. Der Ort Ba Da liegt auf ca. 1700 Meter und um auf über 2000 Meter zu kommen, lag ein sehr steiler, teilweise fußbreiter Pfad durch den Urwald vor uns. Der Aufstieg dauerte einige Stunden.

Die hohe Temperatur und der steile Anstieg konnten uns Teebegeisterte aber nicht stoppen und so kletterten wir höher und höher, vorbei an Gushu, alten Teebäumen und skurilen Bäumen.

Nach einer Kuppe stand dann plötzlich der alte Baum vor uns. Die Fotos können nicht wirklich vermitteln, wie groß und hoch dieser Baum ist, auch können sie die Magie des Ortes nicht ausreichend beschreiben.

Umgeben von Urwald auf einer Lichtung mit Wasserfall stand dieser imposante Baum und wir waren sprachlos, da wir so etwas noch nie zuvor gesehen hatten. Dieser Baum wurde nie kultiviert und steht auf sehr nährstoffreichem Boden, daher das Höhenwachstum. Geschätzt dürfte der Baum zwischen 25 und 30 Meter hoch sein, das Alter ist schwer zu schätzen, er ist sicherlich über 1000 Jahre alt, wahrscheinlich auch über 2000. Der Baum steht unter Schutz und darf nicht gepflückt werden. Um Schaden zu verhindern ist er mit Stacheldraht umzäunt.

Nachdem wir ausgiebig Fotos geschossen hatten, machten wir uns auf den Rückweg, denn es hatte zwischenzeitlich angefangen zu regnen und der Regen machte den Abstieg nicht einfacher.

Unten im Dorf angekommen wartete bereits der Bus auf uns, um uns zu einer Fabrik für Shou Pu Erh zu bringen. Fabrik ist eigentlich übertreiben. Es handelt sich um einen Raum, in dem Mao Cha, der rohe Pu Erh zu 50 cm hohen Haufen aufgeschüttet und mit Wasser besprüht wurde. Dadurch beginnt eine Fermentation und es entstehen Temperaturen um die 60 Grad. Der Tee wir im Falle dieser Fabrik 56 Tage fermentieren lassen. Nach jeweils 7 Tagen wir der Tee gewendet und während der gesamten Zeit 3x erneut befeuchtet. Leider war fotografieren verboten, daher gibt es nur die Beschreibung.

Morgen geht es nun endlich nach Lao Ban Shan, einem sehr bekannten Anbaugebiet mit äusserst wohlschmeckenden Tees. Wir werden berichten.

Es verabschiedet sich aus Menghai

Christof Heinickel

Men Song, Freitag den 25.04.2013

Heute früh ging es nach Men Song, einem Teeanbaugebiet auf 2400 Metern Höhe. Vorbei an Naka Shan, dem Anbaugebiet mit den teuersten Tees ging es nach Manxiliang, einem Ort mit speziellen Teebäumen, die sich durch ihre vergleichsweise kleinen und sehr aromatischen Blätter auszeichnen. Dort angekommen gingen wir los, um den Wald mit den alten Bäumen zu erkunden.

Uns fiel auf, dass einige Bäume wie abgebrochen aussahen und aus den Stümpfen neue Triebe hervorkamen. Der Teebauer, der uns begleitet erklärte uns den Grund. Wenn die Teebäume, zB. durch Insekten, absterben, so beginnen die Pflanzen neu auszutreiben und ein neuer Teebaum wächst heran.

Wir konnten einige Bäume entdecken, die bereits in der dritten neuen Wachstumsphase bzw. Lebensphase waren. Die alten Teebäume stehen alle im Halbschatten unter größeren Bäumen anderer Spezies, wodurch der Tee süßer wird.

Der Halbschatten bewirkt einen geringeren Gehalt an Catechinen, Bitterstoffen. Da der Tee von alten Bäumen immer teurer wird, beschneiden leider die Teebauern zum Teil die alten Bäume, damit diese mehr Blätter ausbilden, die dann mehr Gewicht an geernteten Blättern und somit mehr Geld für den Bauern bewirken. Leider wirkt sich das negativ auf den Teegeschmack aus. Da die Tees der alten Bäumen aber so gefragt sind, sind die Tees bereits verkauft, bevor sie geerntet sind. Dies hat zur Folge, dass die Bauern sich nicht anstrengen müssen, um die bestmögliche Qualität zu produzieren. Leider bezieht sich das auch auf die Arbeitsschritte, die zu Mao Cha, dem rohen Pu Erh führen. Nach einem Mittagessen bei den Teebauern, die extra frisch ein Schwein für uns geschlachtet hatten, brühte erst Meister You, dann die Teebäuerin für uns Tee auf.

Von Ihr erfuhren wir die Hintergründe des Waschens beim Aufgießen von Pu Erh. Dies geschieht, damit der Gast das Gefühl hat, der Tee sei extra für Ihn gereinigt worden. Laut ihr ist dies eine Geste für die Gäste, sie privat trinkt ab dem ersten Aufguss immer mit. Die Bauern in Manxiliang trinken übrigens ihren Tee ganz anders, als gedacht. Sie pflücken lange Teezweige mit 7 bis 8 Blättern, die sie dann über dem offenen Feuer Rösten. Im Anschluss daran werden diese Zweige dann im Topf gekocht und der Aufguss getrunken. Am interessantesten fanden wir die Information über Cha Gau. Cha Gau, übersetzt dicke Teeflüssigkeit. Bei seiner Herstellung werden 25 Kg sehr guter Mao Cha 1 Tag in einem Großen Gusseisen Wok gekocht. Anschliessend entfernt man die Teeblätter und kocht dann den Sud für 3 Tage in einem Steingut Topf über Holzkohlefeuer ein, bis eine Art Sirup entstanden. Diesen füllt man nach dem Abkühlen in Bambuspäckchen. Man erhält aus 25Kg Blättern nur ca. 1 Kg Cha Gau. Dieser wird dann vom entstanden Block abgehobelt und mit einem Bambusbesen, ähnlich dem Matcha aufgeschlagen. Hier sieht man wieder einmal einen eine gemeinsamen Ursprung der chinesischen und japanischen Teekultur. Wir versuchen gerade, Cha Gau aus ursprünglicher Herstellung zu bekommen, dies wird aber leider frühesten im Herbst klappen. Leider mussten wir wieder viel zu früh zurückfahren, erfuhren aber auf der Rückfahrt noch, wie genau Shou Pu Erh, der gekochte oder künstlich gealterte Tee hergestellt wird. Die Herstellung bis zum Mao Cha ist gleich wie beim Sheng Pu Erh, dann werden aber die Blätter in Räumen dick ausgelegt und dann mit Wasser besprüht. Nach einiger Zeit beginnt ein Fermentationsprozess, ähnlich wie beim Kompostieren, bei dem die Blätter über 50°C warm werden. Ist der Teehersteller der Ansicht, der Tee sei fertig, wendet er den Tee, womit die Fermentation gestopt wird. Danach wird der Tee getrocknet und sortiert, wobei die Tips aussortiert werden, da sie den höchsten Preis erzielen. Schlecht fermentierte Klumpen werden aussortiert. Danach wird der Tee zu Fladen gepresst oder auch lose verkauft.

Nach diesem Interessanten Tag sind wir nun wieder im Hotel angekommen und freuen uns auf den nächsten Tag, es geht nach Lao Ban Shan!

Bis zum nächsten Eintrag

Christof Heinickel

Na Nuo Shan, Donnerstag den 25.04.2013

Heute früh fuhren wir los ins ca. 3 Stunden entfernte Menghai, genauer nach Na Nuo Shan, einem für seine sehr alten Bäume bekannten Ort. Um ihn zu erreichen musste unser Busfahrer all sein fahrerisches Können nutzen, denn der Weg dorthin war sehr, sehr schmal, einspurig und unübersichtlich. Oben angekommen begrüßte uns der Na Nuo Shan mit wolkenbruchartigen Regen und Gewitter.

Zum Glück sind solche Wetter in Asien meistens von recht kurzer Dauer und nach einer guten halben Stunde kam die Sonne hervor und wir konnten unseren Marsch zu den alten Teebäumen beginnen.

Beim Laufen durch den Wald erklärte Meister You, dass Pu Erh Bäume sich am  wohlsten im Halbschatten fühlen und wenn sie genug Platz um sich herum haben. Interessant ist auch, wie ein Teemeister zu dem Tee kommt, den er später veredelt und verkauft. Er macht sich nämlich auf Wanderschaft durch die Teewälder und Anbaugebiete und schaut nach Teebäumen, die ihm gefallen. Wenn er etwas gutes findet, geht er durch die Nachbarschaft und fragt nach dem Besitzer des Teebaums, bzw. der Bäume. Dann beginnt er mit den Bauern zu arbeiten.

Der Weg führte uns nach und nach tiefer in den Wald. Der Geruch und die Atmosphäre in diesem Wald lässt sich schwer beschreiben. Holz- und Kampfernoten, gemischt mit dem Duft feuchter Teebäume, Musik für die Nase!

Wenn man dann vor einem 800 Jahre alten Teebaum steht, mit diesem Duft in der Nase und den laut singenden Zikaden fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Nach einer knappen Stunde kamen wir dann am Ziel an, ein Gigant von einem Teebaum, ca. 1800 Jahre alt.

Dieser Teebaum wird noch immer gepflückt, der Preis für den daraus produzierten Tee ist astronomisch. Leider war es wegen unserer langen Anfahrt und dem schlechten Wetter schon wieder Zeit zum Aufbruch und wir mussten leider diesen tollen Ort verlassen. Morgen werden wir nach Men Song fahren, um uns eines der bekanntesten Pu Erh Gebiete anzuschauen und uns über die dortige Machart des Tees zu informieren.

 

Wir freuen uns auf Ihr Feedback

Es verabschiedet sich

Christof Heinickel

 

Jingmai, Mittwoch den 25.04.2013

Nachdem wir heute morgen die Unterkunft gewechselt hatten, ging es nach einem frühen Mittagessen wieder zu den Teebauern, die uns durch ihre Teewälder führen wollten.

Angekommen bei den Teebauern konnten wir das Ergebnis unserer nächtlichen Arbeit des Vortages bewundern. auf luftdurchlässigem Stoff ausgebreitet lag unser Mao Cha, der Pu Erh im Rohzustand. Dieser Tee wurde für uns für die weitere Verarbeitung nach dem trocknen in der Sonne zur weiteren Verarbeitung verpackt und in unseren Bus verladen.

Das Haus der Bauern liegt auf einem Berg, die Wälder erstrecken sich den Berghang herab. Nachdem wir alles Gepäck bei den Bauern verstaut hatten ging es los, bergab in die Wälder.

Der Abstieg war steil, flankiert von alten Teebäumen, die alle aus Samen gezogen waren und neuen Pflanzen, die aus Setzlingen gezogen wurden. Die alten Bäume waren beeindruckend mit ihren dicken Stämmen und ihrer Größe. Interessant war zu sehen, dass auch die Pu Erh Bäume beschnitten werden.

Das Beschneiden der Bäume hat zur Folge, dass die Pflanzen mehr Blattwerk ausbilden und leichter gepflückt werden können. große Bäume werden mit Hilfe von Bambusstäben oder Gestellen gepflückt, damit der Baum durch die Pflücker keinen Schaden nimmt.

Nach einem langen, beschwerlichen Abstieg kamen wir dann bei dem ältesten Baum des Waldes an. Laut des Teebauern ist er über 500 Jahr, aufgrund der Dicke seines Stammes aber eher um die 1000 Jahre alt.

Aus diesem Baum wird Dan Chong Bing Cha, Ein Baum Pu Erh Fladen hergestellt. 1 Kg Tee dies Baumes hat einen Wert von über 5000 Yuan, ca. 670 Euro. Von diesem einem Baum werden ca 6 Kg pro Ernteperiode geerntet.

Nach einer kurzen Pause begannen wir unseren Aufstieg durch Plantagen mit so genanntem Biosphärentee, Plantagentee, der verwildern gelassen wird um so einen höheren Preis zu erzielen.

Da die Pflanzen aber in zu dichtem Abstand stehen und der Tee zum größten Teil aus Setzlingen gezogen wurde, ist das Ergebnis mit Tee aus Wildem Wald und alten Bäumen nicht zu vergleichen. Es wird einfach nur aus Geldgründen gemacht. Glücklicherweise kamen wir irgendwann wieder auf dem Berg an, die Wanderung hatte statt 1,5 Stunden doch knapp 4 Stunden gedauert, was bei dieser Steigung und über 35 Grad eine Lange Zeit ist. Heute Abend werden wir noch etwas über die Kultur des hier lebenden Volkes erfahren und uns dann auf unsere Weiterfahrt nach Menghai vorbereiten.