25.04.2015 – Blumenmarkt – Wistaria Teehaus -Teeschulung bei Atong

Heute liegt ein langer und sehr interessanter Tag mit vielen neuen Eindrücken und neuem Teewissen hinter uns.

Heute morgen fuhren wir zuerst zum Blumenmarkt um uns dort wieder die Gerüche in Erinnerung zu rufen, die sich in taiwanesischen Oolongtees wiederfinden. Wir liefen also durch den Markt, der eigentlich ein großes Parkhaus unter der Stadtautobahn ist, und rochen an vielen unterschiedlichen Orchideen.

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Nachdem wir uns satt gerochen hatten, nahmen wir ein Taxi zum Wistaria Teehaus, dass bekannt ist für seine Auswahl an seltenen und kostbaren Pu Erh Tees und Hei Chas. Einen Bericht über das Wistaria Teehaus finden Sie unter diesem Link: http://www.teeshop.de/blog.php/?p=785 .Bevor wir uns für einen der kostbaren Tees entschieden, wurde uns erst einmal das Menü serviert, dass Meng Lin für uns organisiert hatte.

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Dann schauten wir uns die normale Teekarte an, wollten uns dann aber einen Tee von der Spezialitätenkarte aussuchen. Dort gab es einige alte Pu Erh Tees und Hei Cha zur Auswahl. Wir entschieden uns für einen 1950er Liu An, das Gramm für 500 Taiwan Dollar, etwa 17 Euro. Als Hei Cha bezeichnet man gelagerte und postfermentierte chinesische Schwarztees, die im Character postfermentierten Shou Pu Ers ähneln.

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Das Aroma des Liu An war ungemein weich, stimmig und sehr elegant mit feinen Räucherwerknoten nach Sandel- und Adlerholz und einem langanhaltendem Abgang. Wir machten sicherlich 12 Aufgüsse, bevor Meng Lin einen Anruf von Atong bekam. Unser Tee war fertig geröstet und wollte probiert werden. Das brauchte Atong uns nicht zweimal zu sagen und schon waren wir unterwegs zu Atong.

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Beim Meister angekommen tauschten wir zuerst Begrüßungen aus und setzten uns dann schnell an seinen Schulungstisch, auf dem er schon alles zum Aufguss vorbereitet hatte.

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Schnell waren die Teetassen verteilt, schon goss Atong kochendes Wasser über unseren Tee und uns stieg der Geruch nach frischen Tee in die Nase. Da unser (Hochland) Tee aus sehr jungen und frischen Blättern besteht, wurden aus 220 taiwanesischen Kilos (132 Kg) nur 38 taiwanessiche Kg (22 Kg), also 1 zu 5,8 Kg, normal wäre 1 zu 4,2Kg!  Pro Person werden wir also nur 1200 g fertigen Tee mitbringen, also rechtzeitig vorbestellen!

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Der Teebauer Herr Lin, von dessen Pflückgut wir diesen Tee produzierten, hatte bis jetzt noch nie Tee auf Atongs Art gemacht, ja noch nicht einmal gesehen, dass die Arbeitsschritte in dieser Art und Dauer durchgeführt wurden. Herr Lin, wie auch fast alle anderen Teebauern in Taiwan, stellen den Tee viel schneller her, verkürzen Arbeitsschritte, fassen die Blätter härter an, was sie bitter macht und lassen nicht über Nacht oxidieren. Das führt, so Atong, dazu, dass der Tee unfertig und wie Grüntee schmeckt. Auch ist interessant, dass viele Teebauern im Hochland ihre Tees nur soweit produzieren, wie wir unseren Tee produziert hatten, also nur bis zum Etagentrocknen nach dem Erhitzen. Danach wird der Tee zu speziellen Teerollern gebracht, die das Formrollen und Komprimieren übernehmen. Danach geht der Tee meist in die Teegeschäfte. Das , was man in Taiwan also in den meisten Teegeschäften bekommt, ist eigentlich Mao Cha, Rohtee. Ihm fehlt also die Hand des Meisters, der den finalen Röstschritt durchführt und den Tee runder, weicher und besser lagerbar macht.

Zurück zum Tee und zu seinem Aroma, dies war spritzig, feminin und nicht zu tief. Ein Tee der sich gut lagern lässt und der nicht vakuumiert wird, damit er weiter reifen kann. Der Tee ist darüber hinaus sehr ergiebig, wir haben mehr als 10 Aufgüsse gemacht und er hatte immer noch viel Geschmack.

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Als nächstes tranken wir einen Lala Shan Si Ji Chun von 2014, einen wunderbar runden, feinen Oolong von Teebauer Chen, den wir 2013 besucht hatten. Meng Lin rief plötzlich etwas auf Taiwanesisch, die Tür öffnete sich. Als ob wer gerochen hätte, dass wir seinen Tee trinken, stand Teebauer Zheng mit seiner Frau in der Tür und ihm vielen fast die Augen aus dem Kopf, als er so viele bekannte Gesichter sah, die auch noch gerade seinen Tee tranken!

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Er setzte sich zu uns und trank mit uns, Meng Lin und Atong seinen Tee. Die Geschichte mit Teebauer Zheng und Atong ist wirklich etwas besonderes. Ich gebe sie hier einmal kurz wieder. Atong produzierte in Li Shan vor 30 Jahren Tee aus verwilderten Teegärten, Gärten, die heute nur sehr schwer zu finden sind. Atong wollte vor ein paar Jahren wieder so einen Tee machen, ihm fehlte aber das Material und er begab sich auf die Suche. Herr Zheng hingegen wurde zu diesem Zeitpunkt von seinen Nachbarn wohl schon 8 Jahre ausgelacht, weil er eine Vision hatte, was für Tee er machen wollte, fand aber niemand, der so produzieren konnte, da schenkte ihm seine Frau ein Buch, Atongs Buch, dass er auch sofort anfing zu lesen. Atong hatte zwischenzeitlich von einem Teegarten gehört, wie er ihn suchte und versuchte, die Telefonnummer des Besitzers zu erfahren, als er sie endlich bekam, griff er gleich zum Hörer und wählte die Nummer. Herr Zheng sagte nur: Ich wollte dich gerade anrufen. Das ist die Geschichte, wie sich Atong und Herr Zheng trafen und begannen, miteinander zu arbeiten.

Um dies zu feiern holte Atong nach und nach einige Schätze hervor, zuerst einen Li Shan von 2004. Ich kann nicht viel zu diesem Tee sagen, ausser, dass er einer der besten Tees ist, die ich bis jetzt in meinem Leben getrunken habe. Unglaublich weich und fein mit sehr klarem Aroma und leuchtender Tasse. Danach gab es einen Geheimtee, den Atong offen gelagert hatte, um uns zu zeigen, dass ein wirklich guter Tee sich seiner äußeren Umgebung anpassen kann und nicht kaputt geht, auch wenn ihn falsche Lagerung etwas mitnimmt.

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Es war ein Zhang Ping Shui, der vor der fehlerhaften Lagerung ein wirklicher Spitzentee war, jetzt aber eine leichte Metall- und Champignonnote aufwies, der Geschmack des Tees war aber nach wie vor sehr fein und rund.

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Nun rief mich Atong, ich solle ihm folgen. Wir gingen in sein Büro, er öffnet eine Schublade und wies mich an, einen Tee auszusuchen.

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Ich sah eine goldene Packung in der zweiten Schicht der bis zum Rand gefüllten Schublade und griff zu. Als Atong meine Wahl sah, zeigte er „Thumbs up“ und sagte, dass ich gerade einen seiner Schätze gefunden hätte, einen 2003 organic Si Ji Chun aus Mingjian. Eigentlich ein einfacher Tee, wurde dieser Tee, da er gut oxidiert und geröstet war, immer besser. Man braucht nicht etwas teueres zum Lagern, nur etwas gut gemachtes und zum Beweis goss er meinen Fund auch schon auf. Das Aroma dieses Tees war hocharomatisch, tief und rund. Sein Duft war extrem stark und man schmeckte den mineralhaltigen Boden von Mingjian.

Weiter ging es mit einen 2002 Tee von Teebauer Lin aus Long Yan Lin, von dem auch unser Tee kommt. Man merkte am Aufguss, dass dieser Tee zwar aus sehr gutem Material gemacht wurde, Herr Lin den Tee aber anders produziert hatte, als es Atong gemacht hatte. Man merkte eine stärkere Bitterkeit, was auf das unsanfte Behandeln der Blätter schließen lässt. Auch erntet Herr Lin eigentlich immer eine Woche zu früh, damit er den Tee einfacher zu Kugeln rollen kann, da die Stile weicher sind. Trotzdem hatten wir einen sehr aromatischen Tee vor uns, der aber viel besser hätte sein können. Die Lagerung hatte ihm aber gut getan.

Als krönenden Abschluss goss uns Atong eine absolute Rarität auf: Einen Li Shan von 1987, den er eigenhändig produziert hat. Schon vor dem trinken genoss ich den unglaublich vollen, reichhaltigen Duft dieses Tees, als ich dann trank hatte ich das Bild von Wolken, die von einer kühlen Brise über die Berge gleiten vor Augen. Ich erzählte Meng Lin von meinem Eindruck, die lachte nur und sagte: Bei uns heißt dieser Tee „Wolkenküssender Tee“. Tee spricht wirklich für sich selbst mit den Teeliebhabern, die zuhören können.

Morgen geht es weiter bei Atong mit der Schulung, für heute verabschiedet sich

Christof Heinickel

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