22.04.2015 – Meishan Teeherstellung Teil 2 – Dong Ding -Mingjian

Nach einer sehr kurzen Nacht, der erste Teil der Teeherstellung dauerte bis kurz vor 24 Uhr, trafen wir uns um kurz vor 7 Uhr in der Produktionshalle, um die weiteren Schritte bei der Teeherstellung durchzuführen.
thumb_P4220296_1024 thumb_P4220297_1024 thumb_P4220300_1024Die Blätter hatten über Nacht oxidiert und den Raum mit einem Duft von reifen Bananen gefüllt.Uns fiel auf, dass die Blätter wieder sehr glänzend und lebendig aussahen, obwohl sie deutliche Oxidationsspuren aufwiesen.
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Die Teeblätter hatten während der Oxidation Wärme entwickelt und Feuchtigkeit abgegeben. Sie waren nun endlich bereit für das Erhitzen. Hier werden die Blätter in einer Trommel bei über 220 Grad durcherhitzt, um die Oxidation zu stoppen.

thumb_P4220314_1024 thumb_P4220316_1024 thumb_P4220324_1024 thumb_P4220339_1024Der Erhitzungsvorgang dauert ca. 8 Minuten, an seinem Ende wird der Tee in eine große Stoffbahn eingeschlagen und, in unserem Fall, in einer Art Thermotüte eingepackt. Das verhindert, dass der Tee noch mehr Flüssigkeit verliert. Nun folgt ein Rollvorgang, bei dem nur ganz leichter Druck auf das Blatt ausgeübt wird. Dies sorgt dafür, dass die innere Blattstruktur zerstört wird, sich die Feuchtigkeit im ganzen Blatt gleichmäßig verteilt und sich das Aroma richtig entfalten kann.

thumb_P4220348_1024 thumb_P4220357_1024 thumb_P4220365_1024Nun werden die Blätter in einen Etagentrockner gegeben um sie abzukühlen und zu trocknen. Der letzte Schritt, den wir leider nicht mehr sehen konnten, ist das Formrollen (zu sehen im Blogeintrag von 2009), nach dessen Abschluss wir Mao Cha haben. Mao Cha wird nicht nur bei Pu Erh Tees verwendet, sondern auch bei Oolong und bezeichnet den Tee, den die Teebauern produziert haben, bevor der Teemeister ihn final bearbeitet.
Unseren Tee konnten wir bereits probieren.
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Im Bild oben sieht man die Verwandlung des Tees vom Pflückgut bis zum bereits fast fertigen Tee
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Er ist wirklich gelungen und ich werde eine kleine Menge mit nach Frankfurt bringen können. Sollten Sie Interesse haben sagen Sie uns Bescheid, es gibt insgesamt nur etwas über 1 Kg!
Nachdem wir unseren Tee verkostet hatten, stiegen wir wieder in den Bus und fuhren Richtung Dong Ding Berge. Das Thema Dong Ding ist ein ziemlich trauriges Thema. Da seit Jahren ein Hype um Hochland Tees existiert, fingen auch die Bauern im Dong Ding an, sehr leicht oxidierte Tees zu produzieren. Da der Boden im Dong Ding aber nicht gut für solche Tees geeignet ist, freute sich der Tee nicht wirklich großer Beliebtheit. Historisch wurde hier nämlich stärker oxidierter, gerösteter Oolong hergestellt. Da das Geschäft immer schlechter wurde, fingen die jungen Teebauern an, ihre Felder zu roden und stattdessen Gemüse anzubauen. So verschwindet nach und nach der gute Oolong aus den Dong Ding Bergen. Meng Lin sagte uns später, wie wichtig es für Atong und seinen Tee ist, dass wir uns für den gut gemachten Tee interessieren. So merken die Bauern vielleicht, dass es sich lohnt, Tee auf althergebrachte Weise zu machen.  thumb_P4220397_1024 thumb_P4220398_1024 thumb_P4220399_1024 thumb_P4220400_1024Wir liefen nun los, um die Umgebung zu erkunden. Wir stießen auf ein Feld mit Qingxin Damon, der von Insekten befallen war. Die Qingxin Damon Pflanze erkennt man an den sehr ausgebildeten Zacken am Blattrand. Aus diesem Tee kann man sowohl sehr feinen Oriental Beauty als auch Kua Fei Cha machen. Für Oriental Beauty nimmt man die obersten, sehr feinen Blätter und den Trieb.

thumb_P4220409_1024Für Kua Fei Cha verwendet man reifere Blätter.

41660bc7ba8d580c5d8a31dc67fdc363Die Beulen, die man an den Blättern sieht, kommen von kleinen grünen Zikaden, die die Blätter stechen, so das Blattwachstum stören und die Blattchemie verändern.
Wir liefen nun weiter und kamen an einen 100 jährigen Teebaum, der aber nicht mehr gepflückt wird.

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Dieser Baum wurde schon mehrmals abgeholzt, kam aber immer wieder. Eine wirklich tolle und starke Pflanze. Auf unserem Rückweg konnten wir dann noch sehen, was bei Frost mit den Teepflanzen passiert. Ein ca. 90 Jahre alter Baum hatte Frost abbekommen, was man an den rot-bräunlichen Verfärbungen der Blätter im zweiten Bild sehen kann.
thumb_P4220428_1024 thumb_P4220429_1024Ein Herr, der im Nebengarten stand, sagte Atong, dass sein Vater diesen Baum gepflanzt hatte. Dann sagte er etwas, was mich erstaunte und auch ein bisschen traurig machte. Meng Lin sagte uns, dass der Wortlaut, gerichtet an Atong, ungefähr folgendes war: Tee wie du ihn suchst, gibt es hier nicht und den will doch sowieso niemand haben. Gut dass wir da waren, denn das war schon der Gegenbeweis.
Es wurde nun wieder Zeit zum Aufbruch. Nach einer guten Stunde Fahrt kamen wir in Mingjian, dem Heimatort von Atong an. Dort liegt auch sein Bio Garten, in dem er Gemüse, Rou Gui, Ba Xien, Wuji Oolong und Hong Yu anbaut. Bis auf den Hong Yu ist er wohl der Einzige, der diese Tees außerhalb von China anbaut. Ba Xien ist der „Unterhosentee“, von dem ich einigen von Ihnen bereits erzählt habe. Gerne erkläre ich dies bei Interesse noch einmal bei uns im Laden.

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Oben Sieht man Hong Yu, der, wie man sieht, einen Stamm ausbildet und somit eher eine Unterart der Camelia Assamica ist.
thumb_P4220437_1024 thumb_P4220438_1024Nach dem Teegarten ging es zum Geburtshaus von Atong, wo uns sein Bruder einen Mao Cha Rou Gui machte, den wir hoffentlich auch bald im Laden haben. Ein traumhafter Tee, selbst in seinem unfertigen Zustand.

thumb_P4220441_1024Nach dem Tee ging es mit dem Bus zur Pension, wo wir die Nacht verbringen werden, vorher stoppte Atong aber noch einmal an seinem Garten.

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Morgen fahren wir nach Miaoli, um uns das traditionelle taiwanesische Töpferhandwerk anzuschauen und uns auch selbst an die Töpferscheibe zu setzen. Ich werden berichten!

Es verabschiedet sich für heute
Christof Heinickel

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