Men Song, Freitag den 25.04.2013

Heute früh ging es nach Men Song, einem Teeanbaugebiet auf 2400 Metern Höhe. Vorbei an Naka Shan, dem Anbaugebiet mit den teuersten Tees ging es nach Manxiliang, einem Ort mit speziellen Teebäumen, die sich durch ihre vergleichsweise kleinen und sehr aromatischen Blätter auszeichnen. Dort angekommen gingen wir los, um den Wald mit den alten Bäumen zu erkunden.

Uns fiel auf, dass einige Bäume wie abgebrochen aussahen und aus den Stümpfen neue Triebe hervorkamen. Der Teebauer, der uns begleitet erklärte uns den Grund. Wenn die Teebäume, zB. durch Insekten, absterben, so beginnen die Pflanzen neu auszutreiben und ein neuer Teebaum wächst heran.

Wir konnten einige Bäume entdecken, die bereits in der dritten neuen Wachstumsphase bzw. Lebensphase waren. Die alten Teebäume stehen alle im Halbschatten unter größeren Bäumen anderer Spezies, wodurch der Tee süßer wird.

Der Halbschatten bewirkt einen geringeren Gehalt an Catechinen, Bitterstoffen. Da der Tee von alten Bäumen immer teurer wird, beschneiden leider die Teebauern zum Teil die alten Bäume, damit diese mehr Blätter ausbilden, die dann mehr Gewicht an geernteten Blättern und somit mehr Geld für den Bauern bewirken. Leider wirkt sich das negativ auf den Teegeschmack aus. Da die Tees der alten Bäumen aber so gefragt sind, sind die Tees bereits verkauft, bevor sie geerntet sind. Dies hat zur Folge, dass die Bauern sich nicht anstrengen müssen, um die bestmögliche Qualität zu produzieren. Leider bezieht sich das auch auf die Arbeitsschritte, die zu Mao Cha, dem rohen Pu Erh führen. Nach einem Mittagessen bei den Teebauern, die extra frisch ein Schwein für uns geschlachtet hatten, brühte erst Meister You, dann die Teebäuerin für uns Tee auf.

Von Ihr erfuhren wir die Hintergründe des Waschens beim Aufgießen von Pu Erh. Dies geschieht, damit der Gast das Gefühl hat, der Tee sei extra für Ihn gereinigt worden. Laut ihr ist dies eine Geste für die Gäste, sie privat trinkt ab dem ersten Aufguss immer mit. Die Bauern in Manxiliang trinken übrigens ihren Tee ganz anders, als gedacht. Sie pflücken lange Teezweige mit 7 bis 8 Blättern, die sie dann über dem offenen Feuer Rösten. Im Anschluss daran werden diese Zweige dann im Topf gekocht und der Aufguss getrunken. Am interessantesten fanden wir die Information über Cha Gau. Cha Gau, übersetzt dicke Teeflüssigkeit. Bei seiner Herstellung werden 25 Kg sehr guter Mao Cha 1 Tag in einem Großen Gusseisen Wok gekocht. Anschliessend entfernt man die Teeblätter und kocht dann den Sud für 3 Tage in einem Steingut Topf über Holzkohlefeuer ein, bis eine Art Sirup entstanden. Diesen füllt man nach dem Abkühlen in Bambuspäckchen. Man erhält aus 25Kg Blättern nur ca. 1 Kg Cha Gau. Dieser wird dann vom entstanden Block abgehobelt und mit einem Bambusbesen, ähnlich dem Matcha aufgeschlagen. Hier sieht man wieder einmal einen eine gemeinsamen Ursprung der chinesischen und japanischen Teekultur. Wir versuchen gerade, Cha Gau aus ursprünglicher Herstellung zu bekommen, dies wird aber leider frühesten im Herbst klappen. Leider mussten wir wieder viel zu früh zurückfahren, erfuhren aber auf der Rückfahrt noch, wie genau Shou Pu Erh, der gekochte oder künstlich gealterte Tee hergestellt wird. Die Herstellung bis zum Mao Cha ist gleich wie beim Sheng Pu Erh, dann werden aber die Blätter in Räumen dick ausgelegt und dann mit Wasser besprüht. Nach einiger Zeit beginnt ein Fermentationsprozess, ähnlich wie beim Kompostieren, bei dem die Blätter über 50°C warm werden. Ist der Teehersteller der Ansicht, der Tee sei fertig, wendet er den Tee, womit die Fermentation gestopt wird. Danach wird der Tee getrocknet und sortiert, wobei die Tips aussortiert werden, da sie den höchsten Preis erzielen. Schlecht fermentierte Klumpen werden aussortiert. Danach wird der Tee zu Fladen gepresst oder auch lose verkauft.

Nach diesem Interessanten Tag sind wir nun wieder im Hotel angekommen und freuen uns auf den nächsten Tag, es geht nach Lao Ban Shan!

Bis zum nächsten Eintrag

Christof Heinickel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.