Jingmai, Dienstag den 23.04.2013 – Besuch im alten Wald

Heute morgen um 6 Uhr starteten wir von Kunming aus nach Jinghong. Der Flug dauerte ca. 1 Stunde. Angekommen in Jinghong wartete bereits Meister You mit einem Bus auf uns, der uns in gut 4 Stunden nach Jingmai brachte. Zuerst besuchten wir einen Wald in der Nähe von Mangjing mit aus Samen gezogenen Teebäumen im Alter von 10 Jahren bis über 500 Jahre.

(Mitten zwischen alten Teebäumen)

Diese Bäume werden ausschließlich per Hand gepflückt, was normalerweise 3 mal pro Jahr erfolgen sollte, a der Tee aber so gefragt ist, werden in den meisten Wäldern und Plantage alle 45 Tage geerntet. Zum Pflücken der alten Bäume steigen die Pflückerinnen vorsichtig auf die Bäume bis in die Kronen und ernten dort die Blätter. Neuerdings beginnen die Bauern, so genannte Single Tree Pu Erh herzustellen, die jeweils nur von einem alten Baum gepflückt werden. Diese Tees erzielen sehr hohe Preise.

Im Anschluss an die Führung von Meister You hatten wir Zeit, den Wald alleine zu erkunden und dieRuhe und den Duft der Teebäume zu geniessen. Nachdem wir genug erforscht hatten, fuhren wir weiter, denn es war langsam Essenszeit.

Nach einem kurzen Abendessen fuhren wir los, um Pu Erh herzustellen. Meister You brachte uns zu einem Bauern, der für ihn Pu Erh Tee herstellt. Der Bauer und seine Familie hatten bereits Tee zum im Wok erhitzen vorbereitet.

Zuerst wurden hierfür die Blätter gepflückt, dann im Schatten über acht Stunden welken lassen. Zeiten für die jeweiligen Arbeitsschritte lassen sich bei der Teeherstellung im Allgemeinen sehr schwer angeben, denn sie hängen von verschiedenen Faktoren ab. In unserem Fall war es etwas feucht und sehr windig, daher kamen die 8 Stunden zu Stande. Für den nächsten Arbeitsschritt werden nun die gewelkten Teeblätter im Wok unter ständigem wenden ca. 8 Min erhitzen, bis sie ca. 75 Grad heiss sind. Die Teebauern wenden die Blätter ohne Handschuhe im glühend heißen Wok, wir versuchten es mit Handschuhen und trugen einige Brandblasen davon.

Wichtig ist, dass der ganze Tee im Wok ständig durchmischt werden und nicht zu lange mit dem Wok in Kontakt kommen, da sonst die Blätter verbrennen. Danach kommen die Blätter in Körbe, um sie per Hand zu rollen.

Auch dies ist ein Vorgang, der einiges an Übung braucht. Man beginnt die Blätter mit leichtem Druck zu spiralförmig zu rollen und formt sie langsam zu einer Kugel. Nun wird alles wieder aufgelockert um dann den Vorgang erneut zu beginnen.

Das Rollen in einer spiralförmigen Bewegung ist deshalb wichtig, weil dies die Gefahr verringert, dass die Blätter beim zu kräftigen Rollen zerstört werden. Dies ist zwar anstrengender für den Bauern, der den Tee herstellt, aber entspannter für die Teeblätter. Die Blätter werden während des Rollens immer kompakter und klebriger. Wenn genug von dem Blattsaft ausgetreten ist, lockert man die gerollten Blätter auf und schüttet sie dann in Körbe um, wo die Blätter dann einige Zeit, in unserem Fall bis zum morgen oxidieren. Wenn am morgen dann die Sonne aufgeht, werden die Blätter in der Sonne zum trocknen ausgelegt. Nach diesem Vorgang erhält man den so genannten Mao Cha, Roh Tee. Morgen werden wir die alten Teewälder der Teebauern besuchen, laut den Teebauern soll es eine nicht ganz einfache Wanderung werden.

Es verabschiedet sich aus Jingmai

Christof Heinickel

 

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