Miyazaki, 22.04.2012 – Morimoto Teegarten

Nach einer kurzen, durch den lauten Regen auch etwas unruhige Nacht holten uns Shigeru und seine Frau Haruyo in unserem Hotel ab.

Eigentlich war geplant, dass wir als erstes auf die Teefelder fahren sollten, da das Wetter dies aber nicht zulies, fuhren wir aber erst einmal zu ihnen nach Hause. Leser, die schon unseren Japan Blog von 2010 verfolgt haben können sich sicherlich noch an dieses Meisterwerk an Haus erinnern, das zum Teil aus ganzen Baumstämmen und sonst fast auch nur aus Holz besteht.

Shigeru hatte es vor ca. 3 Jahren mit einem befreundeten Schreiner gebaut und dazu Bäume aus einem Wald neben seinem Teefeld benutzt. Nachdem wir den Rest der Familie begrüßt hatten, gab es erst einmal Catechintee mit Ingwer und Honig, da einige aus unserer Gruppe mit einer Erkältung zu kämpfen hatten. Auch die Gesunden liessen sich den Tee schmecken. Der sonst wegen der in ihm enthaltenen Gerbstoffe sehr bittere Tee war mit Ingwer und Honig einfach lecker. Wenn alles klappt, werden wir zukünftig ihn als Bio Catechin-Ingwertee im Angebot haben. Catechintee wird aus der Benifuki Pflanze gemahlen, einem Assam Hybriden. Die Benifuki Pflanze wurde in den 90er Jahren aus Assamica Pflanzen gezüchtet, die früher für die Schwarzteeherstellung für den Export verwendet wurden. Da die Benifuki in Japan wegen des sehr hohen Catechingehaltes als Medizinpflanze eingesetzt wird, benötigt man für den Anbau und Weiterverkauf der Pflanzen eine staatliche Lizenz. Die Vergabe der Lizenz soll sicherstellen, dass die für die Wirksamkeit der Pflanze notwendigen Schritte beim Anbau, bei der Ernte und der Verarbeitung eingehalten werden. Nach dem sehr interessanten Thema Benifuki und Catechintee gab es einige Tassen Miyazaki Tokujou, die verschieden aufgegossen wurden, wobei sich sein Aroma sehr stark veränderte.

Das lag an den verschieden Temperaturen, in denen er aufgegossen wurde. Kühleres Wasser bedeuten mehr Aminosäuren und mehr Süße, heißeres Wasser mehr Coffein und Tannin, somit mehr Bitterkeit. Shigeru Morimoto blendet den Tokujou Sencha hauptsächlich aus 4 verschiedenen Gewächsen: Yabukita, Okumidori (tiefes Grün), Okuyukata (tief und gehaltvoll) und Minami Sayaka (südliche Frische). Gleich kam von uns die Frage bezüglich der Minami Sayaka, südliche Frische, ob es auch weitere Sayaka Pflanzen gibt und woher sie ursprünglich kommt. Shigeru erklärte uns, dass die Sayaka Pflanze im Ursprung aus Saitama nördlich von Tokyo kommt. Sie wurde nach Kyushu gebracht und dort zur Minami Sayaka gezüchtet. Die Pflanze gedeiht sehr gut auf Kyushu und hat eine große Widerstandskraft gegen Schädlinge und Krankheiten, also bestens geeignet für Bio Anbau. Da das Wetter nun aufklarte, fuhren wir auf die Teefelder der Morimotos.

Auf dem Teefeld, das wir besuchten, wird Yukata Midori angebaut, eine Sorte, die sehr früh geerntet werden kann. Sie ist sehr empfindlich gegen Frost, dafür aber widerstandsfähig gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Ihre jungen Knospen haben einen feinen, weißen Flaum. Ganz früh geerntet kann man daraus eine Art „Weißen Tee“ produzieren.

Bei der Verarbeitung muss man darauf achten, die feine Oku Yutaka nicht so stark zu dämpfen, da man sonst den Tee verdirbt. Ein Teil des Teefeldes, vor dem wir standen, war mit Netzen abgedeckt, die dem Kabuse Cha seinen Namen geben.

Die Netze sorgen dafür, dass durch die fehlende Sonne im Verhältnis mehr Aminosäuren und weniger Catechine, beide stehen in einem Verhältnis, gebildet werden. Dadurch wird der der Tee grüner, milder, süßer und weniger bitter. Da Shigeru diesen Eingriff in die Natur nicht wirklich mag, weil er die Pflanzen schwächt, baut er auf diesem Feld nur maximal 10 % Kabusecha an. Das will er auch nur so lange machen, bis die Netze kaputt gehen. Die Netze bleiben für Kabuse Cha 10 Tage, für Gyokuro etwas über 2 Wochen und für Tencha mehr als 20 Tage auf den Büschen. Morgen werden wir von diesem Feld ernten und unseren eigenen Shincha produzieren!! Wir sind extrem gespannt und werden morgen darüber einiges berichten. Heute dürften wir dafür erst einmal durch die Felder gehen, und Blätter aus den Teebüschen sammeln.

 

Müde von einem langen Tag in den Teefeldern verabschieden sich
Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

 

Im Bio Teegarten gab es heute viel an Leben zu entdecken:

 

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