Uji, 20.04.2012 – Bio Teegärten von Hr. Okuda / Matcha Herstellung

Heute morgen um 8:30 Uhr ging es los Richtung Uji, um den Teegarten von Herrn Okuda in Wazuka am Fuße des Washi Mine Yama (Falken-Gipfel Berg) oder Jubu San, wie ihn die Einheimischen nennen, zu besuchen.

Unter anderem aus diesem Teegarten kommt der Tencha für unseren Uji Premium Matcha. Drei Orte, Wazuka eingeschlossen, die um den Berg Jubu San liegen, gelten als die besten Anbauorte für Uji Tee. In Wazuka angekommen, besichtigten wir zusammen mit Herrn Okuda die in einiger Höhe gelegenen Teefelder, auf denen er abgedeckten Tee für Gyokuro und Tencha anbaut.

Die Teebüsche von Okuda San sind ca. 20 Jahre alt und können bis zu 70 Jahre alt werden. Von Zeit zu Zeit, wenn die Pflanzen an Kraft verloren haben, müssen sie geprunt(stark zurückgeschnitten) werden, damit sie wieder Ertrag bringen, denn das Abdecken kostet die Pflanzen viel Kraft.

Okuda San bewirtschaftet seine Bio Felder mit großer Hingabe. So steht er, wenn Frost zu erwarten ist, nachts auf, um die Funktion der Ventilatoren zu überprüfen, die seine Teefelder vor Frost schützen. Ohne diese würden die Pflanzen Schaden nehmen, denn im Winter gibt es des öfteren Frost. Okuda San verwendet nur Rapstrester als Dünger. Er erklärte uns, dass der Verzicht auf konventionellen Dünger den Geschmack und die Farbe des Tees verändert. Sein Tee ist etwas weniger grün und hat einen milderen Geschmack, wohingegen konventionell gedüngter Tee viel grüner und stärker im Geschmack ist. Dafür verliert konventioneller Tee aber laut Okuda San seine Natürlichkeit. Okuda San will aber nur den besten natürlichen Geschmack und den gesundheitlich beste Tee für seine Kunden.

Nachdem wir Ihm unsere Geschenke überreicht hatten, ging es weiter zur Teefabrik, um uns die Matchaherstellung anzuschauen. Dort angekommen mussten wir Overalls, Haarnetze und fabrikeigene Schuhe anziehen, um die Fabrik betreten zu dürfen. Im Erdgeschoß der Firma wird Aracha (Rohtee) nach Qualitäten sortiert und dann durch kurze trockene Hitze sterilisiert, um dann für den Weiterverkauf abgepackt zu werden. Weiter ging es ins Obergeschoß. Dort waren einige Abpackstationen für Tee für den Export zu sehen und, woauf wie uns schon sehr freuten, die Matcha Produktion. Wir kamen in einen Raum, an dessem hinteren Ende eine große Mühle für Taberucha, Koch Matcha stand. An den Wänden standen Schränke mit durchsichtigen Türen, in denen sich die Steinmühlen für traditionellen Matcha drehten.

In der Mühle für Taberucha zerschlagen Keramikkugeln den Tencha in 15 Mikrometer feines Pulver, die, wenn man den Taberucha als Tee trinkt, ein leicht sandiges Gefühl auf der Zunge hinterlassen. Auch ist der Taberucha wegen der geringeren Feinheit im Gegensatz zu traditionellem Matacha weniger grün.

Der traditionelle Matcha hingegen, der in sich gegen den Uhrzeigersinn drehenden Steinmühlen zu 10 Mikrometer feinem Pulver gemahlen wird, hinterlässt ein samtiges Gefühl im Mund und hat ein leuchtenderes Grün. Tencha, der für die Matcha und Taberucha Herstellung benötigt wird, ist, wie Gyokuro, abgedeckter Tee. Für die jeweiligen Qualitäten werden die Blätter bis zu einer bestimmten Höhe gepflückt. So werden für unseren Premium Matcha die obersten 3, für den Uji Matcha 1, den wir neu ins Sortiment aufnehmen, die obersten 5 Blätter. Je mehr Blätter gepflückt werden, desto einfacher die Qualität. Nach der Pflückung werden die Stängel mit einer Maschine aussortiert, anschließend die Blätter vorgeschnitten und weiter harte Teile des Blattes aussortiert. Das Ergebnis sind flache unregelmäßige Blatteilchen ohne Blattrippen oder Stengel, der Tencha.

Die Maschine für Taberucha Matcha kann aus Tencha innerhalb einer Stunde 10 Kg Pulver mahlen, die Steinmühle hingegen nur ca. 40g. Dies erklärt den großen Preisunterschied zwischen den beiden Pulverteesorten. Nachdem wir alle Fragen gestellt und viele Fotos gemacht hatten, ging es zum Mittagessen in ein Teehaus, dass sich auf Gerichte mit Tee spezialisiert hat und in dem man auch Matcha selbst mit Steinmühlen mahlen kann.

Nach dem Essen wurden wir in einen Raum mit Steinmühlen geführt und begannen nach kurzer Einweisung, unseren eigenen Matcha zu mahlen.

Dabei mussten wir aufpassen, dass wir die Mühlen nur langsam drehten, weil sonst die Qualität leiden würde.

Nach ca. 20 Minuten kräftezehrendem mahlen, bei dem wir nur eine Umdrehung pro 3 Sekunden machen sollten, hatten wir jeweils genug für 2 kleine Schalen Matcha zusammen, die wir dann zusammen mit einer Süßigkeit aus Houjicha verkosten durften. Nach der ganzen Mühe schmeckte der Matcha einfach köstlich!

Leider war es nun auch schon fast Zeit für die Rückfahrt nach Kyoto. Morgen besuchen wir die Teemeisterin En zu einer Matcha Schulung und gegen Mittag geht unser Zug nach Takanabe/Miyazaki. Da die ca. siebenstündige Fahrt morgen landschaftlich viel bieten wird, gibt es morgen Abend dann etwas weniger Text, dafür aber viele Fotos. Wir freuen uns sehr über Ihre Nachrichten und danken vielmals allen, die uns bis jetzt geschrieben haben.

Bis morgen aus Kyushu

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

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