Hangzhou, Tea Research Institute, 16.04.2012 – West Lake Long Jing

Nachdem wir gestern einen recht ruhigen Tag hatten, fuhren wir heute morgen zum Tea Research Institute, kurz „TRI“.

Das TRI wurde 1958 gegründet und ist das einzige in China. Es deckt alle Bereiche des Teeanbaus mit seinen Forschungen ab. Es gibt unter anderem Abteilungen für Aufzucht, Bodenforschung, Genetik, Bio Anbau (mit EU Akkreditierung) und Pflanzenschutz, Biochemie und für Extrahierung von Teebestandteilen für Lebensmittel und Kosmetik. Darüber hinaus fungiert das TRI, bzw. eine Abteilung als Bio Kontrollstelle für China.  Uns begrüßte uns Mr. Han Wenyan, leitender Professor für Anbau, Pflanzenforschung und Bodenkunde, der auch stark im Bio Bereich tätig ist.

Als erstes wurde uns ein Glas mit einem wirklich sehr guten West Lake Long Jing aufgegossen, dann ein Vortrag über den Teemarkt in Europa gehalten und uns Fragen bezüglich unserer Einschätzung des Marktes und der vergangenen und zukünftigen Entwicklung im konventionellen und Bio Bereich gestellt. Nach vielen weiteren Fragen und Gläsern Tee war es dann Zeit für das Mittagessen.

Hier erfuhren wir einige neue Informationen rund um den Long Jing, dessen Ursprung am West Lake liegt. Die verwendete Pflanze ist hauptsächlich die Long Jing Nr.43, die anders als uns in En Shi erklärt wurde, speziell für den Long Jing gezüchtet wurde. Der Tee wird am West Lake, dessen Teefelder unter UNESCO Schutz stehen, hauptsächlich von kleinen Bauernfamilien mit weniger als einem Hektar angebaut, selbst verarbeitet und wegen des hohen Preises auch selbst verkauft. Die Produktion von Tee mit dem Namen Long Jing darf in China nur in Zhejiang, genauer am West Lake, in Qiang Tong/ Hangzhou und in Souxing erfolgen und kann deshalb die innerchinesische Nachfragen nicht decken. West Lake Long Jing in bester Qualität und aus frühster Ernte kostet hier vor Ort gerne 1600 Euro pro Kg und mehr. Auch interessant war, dass es am West Lake laut TRI keinerlei Bio Anbau gibt, denn der Ertrag bei Bio ist geringer, der Preis dafür gleich und in Anbetracht der erzielten Preise für das Kg ist es für die Bauern hier nicht interessant, auf Bio umzustellen. Nach dem Mittagessen führte uns Mr. Han durch das TRI, wo gerade West Lake Long Jing hergestellt wurde. Die traditionelle Herstellung läuft anders als die Herstellungen ab, die wir in vorherigen Berichten beschrieben haben und ist in zwei Phasen unterteilt. In Phase 1, dem Sa-qing (siehe vorherige Berichte), werden jeweils ca. 100 g bei hoher Temperatur in tiefe, elektrisch beheizte Pfanne gedrückt, wobei der Tee kleine Blasen wirft und leicht „brutzelt“.

Dies wird wiederholt, bis eine Menge von ca. 300 g zusammen gekommen sind. Nun lässt man die Blätter für 1 Stunde ruhen, damit sie abkühlen können und sich die Feuchtigkeit gleichmäßig im Blatt verteilt. Danach erfolgt Phase 2, das Formgeben und trocknen, das ca. 40 Minuten in Anspruch nimmt., dabei entsteht die flache Form und der Glanz des Long Jing.

Von den 300 g Tee zu Anfang sind jetzt ca. 60 bis 70g übrig geblieben. Man kann grob sagen, dass man aus 4,5 bis 5 Kg Rohblättern 1 Kg an fertigem Long Jing erhält.

Weiter ging es nun zu den Versuchsfeldern, auf denen über 200 Pflanzen von verschiedenen Teegewächsen standen, die sich durch Farbe und/oder Form der Blätter unterschieden. Das TRI verfügt über einen  Pool von 300 verschiedenen Teepflanzen.

Wir entdeckten einige Schädlinge an den Blättern und fragten, wie diese bekämpft würden, worauf uns Mr. Han erklärte, dass in erster Line versucht wird, mit nicht chemischen Stoffen zu arbeiten. So gibt es Bakterien, Viren und Pheromonfallen, mit denen die Schädlinge bekämft werden, nur wenn dies nicht gelingt, wird im Sommer nach der Ernte gespritzt. Die Viren, die  gegen die, je nach Übersetzung Tausendfüßler oder Raupen eingesetzt werden, werden am TRI gezüchtet. Man züchtet sie auf den Schädlingen selbst, extrahiert sie und hat ein biologisches Abwehrmittel, das dann von den Bauern eingesetzt werden kann.

Nach einem kurzen Besuch des institutseigenen Ausstellungsraum über Teeherstellung und Verwendung seiner Inhaltsstoffe war es Zeit zu gehen. Wir bedankten uns für den Interessanten Austausch und machte den Treffpunkt für unseren morgigen Besuch im Bio Teegarten aus, vorher werden wir aber noch das chinesische Teemuseum erkunden.

 

Wir freuen uns auf morgen und grüßen aus China.

 

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

 

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