Wuhan, 14.04.2012 – Mr. Wangs Büro / Teeverkostung

Heute sollte der bisher interessanteste Tag unserer Reise werden. Nach dem Frühstück wurden wir vom Mitarbeitern von Mr. Wang, dem Chef der Teefirma in Wuhan, abgeholt und zu seinem Büro gebracht. Nach der sehr freundlichen Begrüßung bat er uns, Fragen zu stellen, die uns in Enshi nicht beantwortet werden konnten. Wir kamen ziemlich schnell auf das Thema Yu Lu, in japanische Lesung „Gyokuro“, zu sprechen. Wie uns Mr. Wang erklärte, wurden für das Sa-qing (Inaktivierung der Enzyme durch Wärme) beim Yu Lu früher spezielle Dämpfungsmaschinen verwendet. Das Sa-qing mit Dampf geht laut Mr. Wang auf die Sung Dynastie, 960 bis 1280 n.Chr. zurück. Dort wurde der Tee mit großem Arbeitsaufwand gedämpft, weiterverarbeitet und teilweise zu Pulver für die Teeherstellung zermahlen. Zu dieser Zeit wurde diese Technik, den Tee zu verarbeiten auch nach Japan gebracht. In Japan hat man seitdem die Dämpfungstechnik beim Tee stetig weiterentwickelt, wohingegen das Ende der Sung Dynastie, bzw. der Beginn der Ming Dynastie einen Wechsel in der Art der Teeherstellung einläutete. Dem Mönch Zhu Yuan Zhang, dem Begründer der Ming Dynastie, war die extrem personalaufwändige und für ihn verschwenderische Art, Tee herzustellen ein Ärgernis. Er bestimmte, dass der Tee nun anders herzustellen sei und begründete damit die Blatt-Tee Kultur in China. Heute wird das Sa-qing mit Dampf, im Speziellen für Yu Lu, so gut wie nicht mehr eingesetzt, weil fast niemand mehr die Fähigkeit hat, die Dämpfzeit so zu regulieren, dass der Tee nicht „durchgekocht“ wird und es fast keine der alten Maschinen mehr gibt. Mr. Wang, der genau so begeistert von Tee ist wie wir, teilte uns aber mit, dass er noch eine Maschine gefunden hat und einen Teemeister kennt, der sie noch bedienen kann. Er wird, wie er uns sagte, diese alte Herstellungsart dieses Tees wiederbeleben und ihn uns anbieten, sofern er seinen Qualitätsmaßstäben entspricht. Wir waren begeistert!

Nun wurde Tee gebracht, wobei es sich bei allen Tees von Mr. Wang um fair gehandelte Bio Tees handelt. Der Lung Ching, den man für uns aufgoss, hatte einen schönen Duft mit viel Süße und ein leichtes Röstaroma vom Pfannenrösten (hierzu mehr in den nächsten Tagen). Leider hatte der Tee aber auch eine leichte Bitternote, die uns nicht sehr zusagte.

Als nächstes kam ein gelber Tee, ein Yellow Bud aus Yunnan. Auf die Frage, wie genau gelber Tee hergestellt wird, sagte uns Mr. Wang, dass er genau wie weißer Tee hergestellt wird. Dieser welkt nur, wobei er leicht oxidiert und wird im Anschluss getrocknet. Beim gelben Tee gibt es allerdings noch einen Zwischenschritt, das so genannte Pile Yellowing. Nach dem Welken wird der Tee zu Haufen aufgeschüttet, um einige Stunden zu oxidieren, danach erfolgt auch wieder die Trocknung. Das Aroma dieses Tees war großartig, denn er hatte den leichten, feinen Geschmack von weißem Tee, aber zusätzlich eine spezielle, fruchtige, leicht nussige Note, die man nicht im weißen Tee findet, dazu den typischen Yunnan Duft. Da wir nun endlich einen wirklich guten gelben Tee gefunden haben, werden Sie diesen zukünftig bei uns im Sortiment finden. Nun wechselten wir zu Pu Erh und bekamen sowohl einen Sheng-, als auch einen Shu Pu Erh zum probieren. Der Sheng Pu Erh war ein 2008 Saiqing Tuo Cha, ein nicht postfermentierter heller Pu Erh. Dieser Bio Pu Erh gefiel uns durch sein schönes tiefes, kraftvolles Aroma und sein offensichtliches Potential zur Lagerung. Der Zweite war ein organic Palace Shu Pu Erh von 2006, ein postfermentierter Pu Erh mit tiefroter Farbe, welcher uns durch sein mildes Aroma mit Edelholznoten und ohne den oft in Shu Pu Erhs zu findenden Modergeruch fastzinierte. Bei beiden Tees besteht die gute Chance, dass wir sie Ihnen zukünftig anbieten können. Als letztes goß man für uns einen Bio Qilan Tie Guan Yin von 2011 auf. Hierbei handelte es sich um einen Shu-xang (ripe type) Oolong, der nach der Produktion noch länger geröstet wurde. Der Aufguss, welcher eine Bernsteinfarbe und einen tief-fruchtigen Duft aufwies, war für uns sehr kräftig. Wie wir erfuhren wurde der Tee 3 Minuten mit sehr viel Tee aufgegossen, da aber sein Geschmack trotzdem viel Potenzial aufwies, baten wir darum, den Tee selbst aufgießen zu dürfen. In der Teeküche bereiteten wir den Oolong wie bei uns im Geschäft zu, dass heißt in der Tonkanne, den Boden leicht mit Blättern bedeckt und mit 30 Sekunden Ziehzeit. Was für ein Unterschied! Der Tee lebte richtig auf und der zweite Aufguss wurde noch viel schöner. Wir freuten uns, als Mr. Wang sagte, dass noch ein Restbestand auf Lager sei, welchen wir uns gleich sicherten. So können wir Ihnen zukünftig auch im Oolong Bereich einen sehr guten Tee in Bio Qualität anbieten, der Sie, so sind wir sicher, begeistern wird. Nun war es an der Zeit, Mr. Wang auf Wiedersehen zu sagen, denn es wurde langsam Nacht in Wuhan. Morgen fliegen wir sehr früh zum Westlake, der Heimat des Lung Ching. Wir freuen uns, ihnen dann von dort zu berichten zu können.

Wir verabschieden uns aus Wuhan und wünschen ein schönes Wochenende

Renate Ott Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

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