Donnerstag 30.04.2015 – Duftzeremonie und Abschluss des offiziellen Teils der Reise

Ehrlich gesagt konnte ich mir nicht sonderlich viel darunter vorstellen: Duftzeremonie… Was sollte das bloß sein? Rückblickend kann ich nur feststellen, dass dieser Tag meine Sicht auf Räucherwerk so nachhaltig verändert hat, wie die erste Tasse Tee von Meister Chen. Aber der Reihe nach. Zuerst war da eine fast schlaflose Nacht, den bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über dreißig Grad, im Zimmer vielleicht 28, ist einem ruhigen und tiefen Schlaf nicht eben zuträglich. Mein Zustand als wir zur Duftzeremonie aufbrachen war also, gelinde gesagt, etwas erschöpft und müde. Nach einer ca. 30 minütigen Fahrt erreichten wir den Ort der Zeremonie.

thumb_P4300679_1024Meister Jia Hong Chen öffnete uns eine unscheinbare Holztür und wir stiegen eine Treppe in einen kleinen Vorgarten empor, in dem bereits ein Bänkchen mit zwei Papierbahnen stand, dessen Sinn uns sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschloss. Wir zogen unsere Schuhe aus und betraten einen kargen Raum mit Bänken. Der Meister nahm an der Wand gegenüber des Einganges platz, neben ihm ein großer Topf mit einem wunderschönen, getrockneten Busch.

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Jeder von uns bekam eine Tasse mit einer duftenden Flüssigkeit, bei der es sich, wie Menglin übersetzte, um Adlerholzwasser handelt.

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Adlerholz ist ein seltenes, sehr teures Räucherholz aus Asien, das bereits in der Bibel erwähnt ist und das, laut des Räuchermeisters, bereits bei den Urchristen zur Beduftung des Taufwassers verwendet wurde. Vom Armoma her erinnert das Adlerholzwasser an die sehr feine Note in sehr altem Tee, wobei es eigentlich umgekehrt ist. Sehr alter Tee bekommt mit der Zeit eine Adlerholznote. Das Adlerholz in unserem Wasser war 4-500 Jahre alt und soll beruhigend auf den Geist wirken. Dies war wichtig, denn erst wenn wir ruhig und konzentriert seien, würde der Meister mit der Zeremonie anfangen. Solange zeigte uns der Meister erst einmal, wie man selbst Räucherstäbchen macht.

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Man rollt zuerst ein dünnes, feuchtes Bambusstäbchen in einem Holzpulver, welches als Kleber fungiert. Nach einer kurzen Trocknung in der Sonne befeuchtet man es erneut und rollt es in einem anderen Holzpulver, dass später den Duft abgeben soll, in unserem Fall Adlerholzpulver. Beide Pulver lagen auf den Papierbahnen, die ich anfangs erwähnte. Der Vorgang wird so lange wiederholt, bis das Stäbchen die richtige dicke hat. Nachdem wir alle unser Räucherstäbchen fertig gerollt hatten, war es Zeit für die eigentliche Zeremonie.

Wir hatten hatten 4 verschiedene Alter und 3 verschieden Teile des Baums. Die Erfahrung lässt sich nicht wirklich beschreiben, denn der Duft war einfach wunderschön. Das erste Stück kam von den Zweigen des Baumes und war ca. 100 Jahre alt, das zweite ca. 300 Jahre und aus dem Herz des Baumes, das dritte Stück, ca. 500 Jahre alt und aus der Wurzel. Das letzte Stück war ca. 1000 Jahre alt und ebenfalls aus der Wurzel. Beim Einatmen des Duftes des vorletzten Stückes war ich plötzlich nicht mehr müde und voller Energie, beim letzten Stück schloss ich die Augen und war einfach nur glücklich. Ich kann es wirklich nicht genau beschreiben, aber der Duft des Adlerholzes wirkt sich auf den Körper und Geist aus. Ich werde versuchen, etwas davon zu bekommen und im Zuge einer Teeschulung zu demonstrieren. Ich kann nur, wie eingangs erwähnt, sagen: Dieser Duft hat meine Einstellung zu Räucherwerk verändert und meine Liebe zu alten Adlerholz entfacht. Mit dem letzten Holz endete auch unsere Zeremonie und wir verabschiedeten uns.

Unsere Gruppe trennte sich im Anschluss zum Teil.

Morgen werden wir uns noch bei Atong verabschieden, hoffentlich mit einigen Tassen Tee

Es verabschiedet sich

Christof Heinickel

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