27.04.2015 – Ylan country und Shi Ding

Heute fuhren wir mit Atong nach Ylan.
Ylan, das an der Ostküste Taiwans liegt, ist, so heißt es, der Vorgarten von Taipeh. Dorthin fahren am Wochenende und an den Feiertagen viele Einwohner von Taipeh um die gute Luft und die schöne Natur zu genießen. In Ylan ist die Natur besonders ursprünglich, da die Provinzregierung jede Art von Industrie verboten hat. Wir waren allerdings nicht wegen der schönen Natur dort, sondern um einen Teebauer zu besuchen, der 5 Jahre in Folge den ersten Platz beim Nationalen Teewettbewerb bei verschiedenen Tees gewonnen hat. Wir besuchten ihn nicht, wie man erst denken könnte, um fantastischen Tee zu trinken, sondern um zu sehen, was die heutige Mode bei der Teeherstellung dem Tee antut.

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Als erstes konnten wir uns die Produktion von Paochung anschauen. Dies war einer der Tees, für die der Bauer bereits einen ersten Preis gewonnen hatte.

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Es roch sehr grasig und nach unreifen Bananen in der Produktionshalle, obwohl seine Helfer bereits am Erhitzen waren. Der Paochung hatte keinerlei ersichtliche Oxidationsspuren und sah aus wie Grüntee. Dieser Tee war offensichtlich nicht reif genug geerntet, nicht ausreichend gewelkt, zu schnell gewendet und nicht genug in der Trommel erhitzt. Mir schwante nichts Gutes.

thumb_P4270609_1024Anschließend führt uns der Teebauer auf ein Feld von ihm, das kurz davor war, geerntet zu werden. Dort waren auch drei Reihen Formosa Oolong Nr. 20, eine relativ neue Art Oolong, die noch nicht lange vom National Tea Institute freigegeben war.

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Diese Reihen erntete er nicht mehr, nur noch die daneben stehenden Reihen Qingchin Oolong. Diese Büsche sagen sehr gestresst aus und hatten zusätzlich Blätter ausgetrieben, sodass das Pflückgut wegen der unterschiedlichen Blattgrößen eigentlich überhaupt nicht für die Teeproduktion geeignet ist.

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Normalerweise sollte man diese Büsche erst einmal ruhen lassen, damit sie sich erholen können, aus Profitgründen macht dies der Teebauer aber nicht.

Wir liefen nun zurück zur Fabrik. Dort hatten Atongs Schüler gefüllte Teigtaschen für jeden von uns  besorgt und Meng Lin bat uns, uns freundlich zu geben und zu lächeln, wenn wir den Tee des Bauers verkosten, bald wussten wir auch, warum.

Zuerst goss der Bauer einen Schwarztee auf, der ganz vernünftig war, dann einen prämierten Paochung. Die Tasse war sehr trüb, der Tee scharf, bitter und sauer. Nicht die reife Süße eines gut gemachten Tees!

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Atong unterhielt sich mit dem Bauern, dessen Laune stetig schlechter wurde. Plötzlich stand er auf und verließ den Raum. Meng Lin erklärte uns, dass Atong keinen Tee von ihm kaufen wollte und gesagt hat, dass er das erst tun würde, wenn er reifes Material anständig verarbeiten würde. Der Bauer habe sich dann aufgeregt und ihm an den Kopf geworfen, dass so einen Tee doch niemand haben will. Dann hörten wir den Bauern in der Produktionshalle nebenan nur noch schimpfen. Meng Lin und Atong kauften dann noch eine kleine Menge Schulungsmaterial, wir bedankten uns höflich und brachen auf Richtung  Shi Ding, dem Hauptanbaugebiet für Fo Shou, Buddha Hand Oolong. Nach einer guten Stunde Fahrt, es hatte inzwischen angefangen zu regnen, kamen wir in Shi Ding an. Wir stiegen an einem Teefeld aus und betrachteten uns die Fo Shou Büsche. Was für riesige Blätter! Das Blatt des Fo Shou ist ca. 3x so groß wie ein gewöhnliches Teeblatt.

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Es gibt ihn in zwei Varianten, rote Knospe und grüne Knospe Buddha Hand und in zwei Fertigungsarten, streifenförmig und kugelförmig gerollt. Buddha Hand ist eine früh treibende Pflanze, man kann gute Qualitäten bereits Mitte April ernten.

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Wir waren wirklich überrascht, dass die Blätter so dick waren, wo doch Fo Shou Tee aus sehr dünnen Blättern besteht. Gut gefertigt hat der Tee ein Aroma, dass an die Zitrusfrucht Buddha Hand erinnert und das Blatt hat die Form der segnenden Hand Buddhas. Daher kommt auch sein Name. Atong entdecket dann auf der anderen Straßenseite Tie Guan Yin Pflanzen.

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Diese kann man sehr gut an ihrer gewellten Form und seinen sehr fleischigen Blättern erkennen. Der taiwanesische Tie Guan Yin hat eine sehr schöne tiefe und wird im Gegensatz zu seinem chinesischen Namensvetter stärker oxidiert und dann geröstet.

Nachdem wir ziemlich durchweicht vom Regen waren, stiegen wir wieder ein und fuhren zurück nach Taipeh.

Nach diesem lehrreichen Tag verabschiedet sich

Christof Heinickel

Eine Antwort auf „27.04.2015 – Ylan country und Shi Ding“

  1. Hallo Christof,
    bin begeistert und beeindruckt. Es macht sehr viel Spaß deinen interessanten Tee-Blog zu verfolgen.
    Ich wünsche dir noch viel Freude und einen Haufen neuer Eindrücke!

    Herzliche Grüße aus OF
    Ritva

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