Epilog – Eine Teereise ist zu Ende


 
Nun ist unsere Teereise schon einige Tage vorüber, doch in unseren freien Minuten sitzen wir gedanklich mit Teemeistern und Teegefährten am Teetisch, schnuppern an den Blättern von hunderten von Jahren alten Teebäumen und reflektieren über die Worte die uns Meister Yu, Meister Chen und Menglin auf den Weg gegeben haben. „Lasst den Tee zu Euch sprechen.“ Ein Satz der so viel Bedeutung in sich trägt und in so vielerlei Hinsicht betrachtet und verstanden werden kann. Ob es darum geht, dass das Blattgut richtig gepflückt wurde, ob der Teekoch das Blattgut gut verarbeitet hat, oder gar der Geschmack darüber verrät aus welcher Region der Tee kommt. Tee lügt nicht und verrät uns alle Details über ihn, solange wir nur gut zuhören und achtsam sind. Ein Tee kann stürmisch und wild sein, aber auch sanft und elegant, ein plätschernder Gebirgsbach oder eine stürmische raue See. Wenn wir uns für den Alltag einen Ausgleich wünschen, warum nicht an stressigen Tagen einen sanften beruhigenden Tee trinken? Lasst den Tee zu euch sprechen.

Wir hoffen euch hat es Spaß gemacht, uns auf unserem Teeweg zu begleiten und dass wir eure Neugier für Pu-Erh-Tee entfachen konnten! Wir hatten jedenfalls riesigen Spaß daran, den so natürlichen und facettenreichen Pu-Erh-Tee näher kennenzulernen und gemeinsam mit tollen Menschen einige Schritte auf dem Teeweg voranzuschreiten.

Wir freuen uns weiterhin sehr auf eure Fragen und Kommentare und wünschen euch noch einen wunderschönen Sonntag! Herzliche Grüße, Kai Schnorr und Florian Lehner

Teestunde bei Meister Atong Chen

Wir trafen uns mit Menglin an der Nangang Station und schlenderten durch den Food Court, wo sie wunderbare Kindheits- und Jugenderinnerungen mit uns teilte. Anschließend machten wir uns auf zu Meister Atong Chens Teeladen.


 
Menglin nennt ihn immer respektvoll Lao Shi (老師 = „alter Meister“) und freute sich auch sehr, ihren Lehrer wiederzusehen.
Er und seine Frau empfingen uns unheimlich herzlich und vermittelten uns das Gefühl einer tiefen Freundschaft, obwohl wir uns erst im Frühjahr letzen Jahres das erste Mal persönlich kennengelernt hatten. Meister Chen begann uns Oolong aufzugießen.


 
Ein schlichtes Teeschiff aus Keramik, ein weißer Gaiwan mit fehlender Ecke im Deckel, ein Metallsieb mit Patina sowie einen kleinen weißen Gießer glitten durch Atongs Hände und er goss nach und nach verschiedenste Oolongs auf. Hinter ihm hing eine schöne Kaligraphie mit den Worten „Yi Xiang Cun“ (gesprochen „Ji Schiang Tsünn“), den Namen des Geschäfts, das übersetzt bedeutet: „Der Ort, an dem Kreativität und Fantasie fliegen kann“.


 
Wir sprachen angeregt, natürlich vor allem über und rund um den Tee.


 
In diesem Zusammenhang erzählte Atong Chen von seiner Arbeit als Teehändler und –produzent und, dass er die Bewegung von Teehändlern, die viel Marketing betreiben, sich aber nicht auf die Qualität der Tees konzentrierten mit Sorge beobachte. Es werden tolle Fotos, Videos und Hochglanzbroschüren erstellt, die die Arbeit von guten Teebauern und –produzenten zeigten – anschließend kauften sie jedoch nur ein paar hundert Gramm dieser Tees und vertreiben oftmals Billigware in diesem edlen Kostüm.
Anschließend holte er aus seiner Schatzkammer einen 20 Jahre alten, von Insekten befallenen (Gui Fei) Oolong der besonderen Strauchvariante Tie Guan Yin und wir führten unser Gespräch fort. Der Aufguss zeigte eine leichte Bitterkeit, die sich nach kurzer Zeit im Mund zu einer zarten Süße wandelte. Plötzlich stand Atong auf und sagte mit einem Lächeln im Gesicht: „Ich muss jetzt kochen!“


 
Atong Chen liebt die einfache Küche und servierte uns selbst angebauten Tapioka, Bambus in einem leckeren Sud, Tofu in einer Fleischbrühe, grünes würziges Blattgemüse und dazu natürlich Reis.


 
Sein Geheimnis beim Kochen sei Sake und gute Sojasoße, sagte er und überreichte uns eine Flasche Sojasoße höchster Qualität, die nur in sehr geringen Stückzahlen produziert wird (1 Jahr Wartezeit). Zum Nachtisch gab es eine köstliche Ananas, unbeschreiblich süß und mit wundervollen Fruchtnoten.
Wir nahmen wieder am Teetisch platz und Atong Chen verschwand einige Minuten in seiner „Schatzkammer“. Er kam zurück mit einem besonderen „Zeitdokument“ seiner Familienhistorie: Dem ersten Tee aus seinem eigenen Familiengarten, einem handgerollten Oolong der Strauchvariante Qingxin von 1976.
Eine unverkäufliche Kostbarkeit, die in einer Metallkiste vergessen war und vor 10 Jahren entdeckt und fertig produziert wurde. Der Tee schmeckte spannend und gereift und vermittelte uns ein besonderes Gefühl von Wertschätzung, dass Meister Chen ihn mit uns teilte.
Während wir weitertranken gesellten sich noch 2 Teeschülerinnen von ihm zu uns. Er zeigte uns ein altes Foto von ihm in seinem Teegarten, das hinter seinem Teetisch an der Wand lehnte.


 
Dann durften auch wir seine „Schatzkammer“ betreten und er führte uns an wild gestapelten Säcken mit Tee vorbei hin zu seinen Röstmaschinen.


 
Auf ihnen lagen Bambuskörbe in denen der Tee geröstet wird und er zeigte uns auf deren Unterseite feines watteartig beim Rösten auskristallisiertes Koffein.


 
Hierbei meinte er, dass die Koffeinkonzentration im produzierten Tee geringer sei, wenn das Blattgut stärker geröstet wurde.
Zurück beim Teeschiff ließ Meister Atong Chen etwas Gui Fei Dong Ding der Strauchvariante Qingxin („Tschingschin“) aus dem Jahre 2005 in den Gaiwan gleiten.


 
Dieser Tee war einfach grandios, zeigte Duftnoten von Guave und einen lang anhaltenden Geschmack mit tollen mineralischen, süß-fruchtigen und blumigen Noten.


 
Eventuell besteht die Möglichkeit, diese außergewöhnliche Rarität bei uns im Laden anbieten zu können, wenn Meister Chen sich von ein paar Gramm trennen möchte.
Wir tranken weiter und unterhielten uns über die Art und Weise der Teeezubereitung, da wir auf unserer Teereise unterschiedlichen Praktiken begegnet sind. Sowohl bei Meister Yu, als auch bei Meister Chen beeindruckte uns die Schlichtheit, mit welcher der Tee zubereitet wurde – sowohl in Bezug auf das verwendete Teegeschirr, als auch die Einfachheit der Bewegungen. Meister Chen sagte, dass er nur Tee mache, und den Tee zu sich sprechen lasse. Moderne Teeschulen lehren in der „kunstvollen“ Teezubereitung Choreographien, die den Fokus vom Wesentlichen ablenken. „Wir trinken doch Tee und machen kein Theater“, sagte er mit einem verschmitzten Grinsen.


 
Am Abend lud uns Atong und seine Frau zu exzellentem Dim Sum Essen ein und der Tag endete mit den schönsten Gaumenfreuden und heiteren Gesprächen zu Tisch.


 

Von Yunnan nach Taipeh

Keramik? Gerne, aber bis unter die Decke!

Abflug Jinghong – Stop in Kunming mit 7 Stunden Aufenthalt – Weiter nach Hefei mit kurzer Nacht auf gemütlichen Abflughallen-Bänken – Dann nach Taipeh! Juchee! Pünktlich zum Mittagessen.


 
Wilkommen in Taiwan, willkommen in Yingge, einem bunten Städtchen voller Keramikläden. Auf den Straßen herrscht ein reges, freundliches Treiben und die vielen Geschäfte laden zum Verweilen ein.


 
Dabei betritt man wilde Lager mit Werkstattcharakter durch rostige Schiebetüren aber auch edle, klare Keramikboutiqen mit elektrischem Schiebetürzugang.
Unterschiedlichste Stile von rustikal bis klassisch, verspielt bis gradlinig und wild bis ruhig sind hier zu finden.


 
Viel Keramik findet man hier im Tenmoku-Stil. Tenmoku beschreibt in Japan die eine bestimmte Schalenform und/oder eine spezielle Glasur-Zusammensetzung. Die ursprüngliche chinesische Bezeichnung, die aus der Song Dynastie (1127–1279) stammt, wird Tian Mu (天目) geschrieben und bezeichnet keine bestimmte Form, sondern eine bestimmte Glasuren-Rezeptur, die von ihrer Erscheinung an die nächtliche Galaxie erinnert. Sie fand in chinesischen Klöstern großen Zuspruch, da sie helfen sollte, die Grenze zwischen Raum und Zeit zu überwinden und dadurch die Unendlichkeit zu berühren.


 
Es ist schön durch die Läden zu schlendern und die unterschiedlichsten Keramiken auf sich wirken zu lassen. Ein Paradies für Freunde des besonderen Kunsthandwerks und Teezubehörs.

Der Geschmack von Yunnans Süden


 
Als Tee-Genießer und Genussmenschen müssen wir natürlich auch unbedingt ein paar Zeilen über die unterschiedlichen Speisen der hiesigen Küche schreiben. Meist nahmen wir Platz an einem runden Tisch mit Drehscheibe auf welche die Speisen platziert wurden, sodass jeder gemütlich alles probieren konnte.


 
Allgemein ist die ländliche Küche hier sehr regional und kommt ohne importierte Lebensmittel aus.
Sie ist sehr frisch, das Gemüse voll im Geschmack und das Fleisch kommt von Tieren die vor Ort gehalten werden und meist frei herum laufen dürfen.


 
Die Speisen sind mit relativ wenigen Gewürzen zubereitet, sodass der natürliche Geschmack der wunderbaren Gemüse gut zur Geltung kommt.


 
Zum anbraten wird meist Erdnussöl verwendet und zum Würzen der Gerichte wird viel mit Chili, Knoblauch, Ingwer, Sojasoße und Essig gearbeitet.


 
Manchmal wird auch etwas Sichuan-Pfeffer verwendet, der sich direkt auf der Zunge durch seinen einzigartigen Geschmack und das spannende Mundgefühl bemerkbar macht.
Besonders sind hier die vielen verschiedenen grünen Blattgemüse die wir noch nirgends vorher gesehen haben. Manche sind sehr herb und erinnern von den Bitternoten etwas an Chicorée, andere erinnern mehr an Spinat. Auch gibt es unterschiedlichste Arten der Bambuszubereitungen, ob einfach nur als Sticks zum dippen oder als Wok-Gericht.


 
Darüber hinaus gibt es tollen frischen Fisch der scharf angebraten meist in einem leckeren Gewürzsud serviert wird, schön saftig und glasig. Auch zu empfehlen sind hier die lokal angebauten Bananen.


 
Eine tolle Sortenvielfalt mit völlig unterschiedlichen Geschmacksnuancen von süß nach Honig schmeckend, über Noten von Kohlrabi bis hin zu Maronen. Außerdem spannend, dass wir die letzten zwei Wochen komplett auf Milchprodukte verzichtet haben und es uns erst eben aufgefallen ist. Einfach toll sich durchzuprobieren und die unterschiedlichsten Geschmäcker auf sich wirken zu lassen! Die Landküche im Süden Yunnans ist wirklich sehr empfehlenswert!