Kumamoto, 25.04.2012 – Sakura-No En / Familie Matsumoto

Heute starteten wir mit dem Shinkansen Richtung Kumamoto, um die Familie Matsumoto und ihren Teegarten zu besuchen. Wir kennen sie bererits von der letzten Teereise 2010 und von einem Besuch bei uns im Geschäft. Am Bahnhof erwartete uns Herr Matsumoto bereits um mit uns auf schnellstem Weg in die Teefelder zu fahren, denn es war für heute Regen angesagt.

Die Teefelder der Matsumotos liegen zwischen 120 und 400 Metern und auf ihnen werden sowohl aus Setzlingen gezogene, als auch so genannte Zairaishu Pflanzen angebaut. Ebenfalls wird ein teil der Felder abgedeckt (Kabuse), wobei ausschliesslich die Pflanze Sayama-kaori verwendet wird. Diese ist hat sehr stabile Triebe, die sich trotz Abdeckung mit einer guten Ausbeute ernten lassen.

Die abgedeckten Pflanzen sind die einzigen, die gedüngt werden, alle anderen Pflanzen werden nach der Shizen Saibai (Naturanbau) Methode angebaut. Hier kommen keinerlei Dünger oder Chemikalien zum Einsatz, auch wird kein Beiwuchs entfernt, da dieser den Boden locker hält.

Die Matsumotos haben mit 3,3 Hektar einen sehr kleinen Teegarten, sind aber in Japan sehr bekannt und produzieren sehr viele Tee Spezialitäten. Da es nun immer mehr regnete, fuhren wir nach einer kurzen Besichtigung der Fabrik zum Haus der Matsumotos. Eine genaue Beschreibung der Fabrik und des Hauses finden sie in den Einträgen der letzten Teereise in Japan.

Herr Matsumoto und seine Frau servierten uns ein leckeres, selbst gemachtes Mittagessen und wir begannen Tee zu verkosten. Zuerst gab es den Sakura-No Shincha, sehr voll, sehr süß mit toller Farbe, dann wechselten wir zu Mukashi-Cha, was übersetzte „Tee von Früher“ heißt.

Herr Matsumoto verwendet hierfür nur Zairaishu Pflanzen, die nach der Ernte über nacht anoxidieren, bevor sie nach sehr kurzer Dämpfzeit (30 Sekunden) weiterverarbeitet werden. Ein aussergewöhnlicher Tee, leicht, aber mit Charakter, der einem ein breites Spektrum an Zubereitungsarten ermöglicht. Dies liegt daran, dass bei Zairaishu sehr unterschiedliches Pflückgut verarbeitet wird, da die Pflanzen sich wegen der Aufzucht aus Samen sehr stark in Blattgröße und Stärke unterscheiden. Als Drittes gab es Mukashi-kama-cha, einen Kamairi. Kamairi bedeutet, dass der Tee wie in Japan vor Einführung des Dämpfens über Feuer erhitzt wurde.

Die passiert in einer Trommel, wie wir sie aus China und Taiwan kennen, aber statt bei 300°C wie bei Oolong bei ca. 400°C. Dadurch bekommt der Tee eine nussige, tief fruchtige Note. Dieser Tee ist bei Herrn Matsumoto stark limitiert. Wir freuen uns, Ihnen in kürze trotzdem alle Sorten, wenn auch nur in begrenzter Menge, anbieten zu können. Eine weitere Überraschung ist, dass uns Herr Matsumoto für ein bis zwei Tage im Zeitraum vom 18 bis 27.09.2012 im Gewürzhaus Schnorr besuchen kommt und seine Tees präsentieren wird! Den genauen Termin erhalten Sie per Mail. Wie immer verging die Zeit wie im Flug und wir mussten unseren Zug bekommen. Morgen fahren wir nach Osaka, wo wir uns von unserer Reisegruppe verabschieden werden. Freuen Sie sich aber noch auf Berichte aus Osaka und Peking, denn es gibt noch viel zu entdecken!

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit
Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Kirishima, 24.04.2012 – Besuch bei Narieda Shinichiro

Auf den heutigen Tag freuten wir uns schon lange, denn es sollte ein Wiedersehen mit Narieda Shinichiro geben. Nach einer 50 minütigen Zugfahrt kamen wir in Kirishima an. Bei schönstem Wetter und 28°C gingen wir den kurzen Weg zu seinem Atelier, wo Narieda schon auf uns wartete. Er begrüßte uns Herzlich und zeigte uns direkt ein Bild an seiner Wand, dass uns vor 2 Jahren mit ihm zeigte.

Kurz, er freute sich sehr, uns zu sehen. Nun ging es  aber an die Arbeit, denn wir wollten einige Schalen von ihm aussuchen. Freuen Sie sich schon heute auf wirklich wunderschöne Kunstwerke von ihm, die jetzt bereits auf dem Weg nach Deutschland sind. Abgesehen von den Schalen, kauften wir auch einige Vasen, die jeden Teeraum schmücken werden.

Nach dem Einkauf folgten wir Narieda in seinen Garten. Dort hatte er ein unglaubliches Mittagessen für uns aufgebaut:

Wildpflanzen Tempura, Gemüse, Tofu, Fischkuchen, Hünhnchen und einen sehr wohlschmeckenden Salat, teilweise aus seinem Garten. Nachdem wir viel gelacht und gut gegessen hatten, durften wir in seinem Atelier selbst töpfern, was uns einen großen Spass machte.

Wieder einmal verging aber die Zeit zu schnell und so mussten wir uns auch wieder verabschieden. Narieda sagte uns zum Schluß noch, dass er plant, nach Deutschland zu kommen, woraufhin wir ihn sofort zu uns eingeladen haben, seine Kunst zu präsentieren. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

Es verabschieden sich aus dem sonnigen und warmen Kagoshima
Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Takanabe, 23.04.2012 – Shincha Herstellung

Heute morgen hieß es früh aufstehen, denn Haruyo Morimoto holte uns um 8 Uhr im Hotel ab, um mit uns zur Teeernte abzuholen. Zuvor mussten aber noch die Koffer gepackt und eingeladen werden, denn im Anschluss an die Teeproduktion würde es nach Kagoshima gehen. Nach einem kurzen Stop im Haus der Morimotos zum Abladen der Koffer fuhren wir auf das Teefeld, das wir gestern schon sorgfältig von Blättern befreit hatten und begannen, bei der Teeernte zu helfen.

Die Büsche erntete Haruyo mit einer Erntemaschine, die so eingestellt war, dass sie 3 Blätter von der Oberseite der Büsche erntete.

Hinten auf der Maschine war eine Art Karussell angebracht, auf denen sich Säcke kontinuierlich drehten und die die geernteten Teeblätter aufnahmen. Wenn diese voll waren, luden wir sie auf einen kleinen LKW um und bestückten die Maschine wieder mit frischen Säcken. Einige aus unserer Gruppe bekamen einen Korb in die Hand und sammelten Teeblätter für unser Mittagessen, denn es sollte Ocha-Tempura geben, in Backteig getauchte, ausgebackene Teeblätter.

Nachdem die Ladefläche des LKWs voll war, fuhren wir zurück zum Haus der Morimotos. In einer angebauten Halle befindet sich ihre Teefabrik. Sie besteht aus einer Produktionsstrasse, die alle Schritte der Teeherstellung, dämpfen, abkühlen, auflockern, rollen, formen, trocknen und sortieren nacheinander durchführt.

Am Ende des Prozesses erhielten wir 4 Qualtitäten. Sencha (Shincha), Konacha, Kukicha und grobe harte Stängel und Blätter für die Kosmetikherstellung.

Nun war es Mittagszeit und wir bekamen ein selbstgerechtes Mittagsmenü serviert, dass seines Gleichen sucht. Besonders begeistert waren wir vom Ocha-Tempura, denn Tee hatten die meisten von uns noch nicht gegessen.

Nach dem Mittagessen konnten wir die beiden Shinchas probieren, die an diesem Vormittag hergestellt wurden. Saki Midori und Yutaka Midori. Da Saki Midori kräftiger war und eher im hinteren Mundbereich stattfand und Yutaka Midori fruchtig-frischer war und mehr im vorderen Bereich zu schmecken war, entschlossen wir uns, beide im gleichen Verhältnis zu mischen. Das Ergebnis war ein voller, ausgeglichener und sehr frischer Shincha mit schönem Duft und langanhaltendem Geschmack. Wir werden Ihnen diesen Shincha schon bald bei uns zur Verkostung anbieten. Nun war es Zeit, uns zu verabschieden. Nach herzlichen Umarmungen luden wir unsere Koffer ein und wurden zum Bahnhof gebracht. Zur Zeit schreiben wir dies aus dem Bummelzug Richtung Kagoshima, da wir die Teeherstellung bis zum Ende verfolgen wollten, haben wir leider den Schnellzug verpasst…Aber das war es wert!

 

Viele Grüße aus Japan, irgendwo zwischen Miyazaki und Kagoshima auf der Insel Kyushu

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

 

Miyazaki, 22.04.2012 – Morimoto Teegarten

Nach einer kurzen, durch den lauten Regen auch etwas unruhige Nacht holten uns Shigeru und seine Frau Haruyo in unserem Hotel ab.

Eigentlich war geplant, dass wir als erstes auf die Teefelder fahren sollten, da das Wetter dies aber nicht zulies, fuhren wir aber erst einmal zu ihnen nach Hause. Leser, die schon unseren Japan Blog von 2010 verfolgt haben können sich sicherlich noch an dieses Meisterwerk an Haus erinnern, das zum Teil aus ganzen Baumstämmen und sonst fast auch nur aus Holz besteht.

Shigeru hatte es vor ca. 3 Jahren mit einem befreundeten Schreiner gebaut und dazu Bäume aus einem Wald neben seinem Teefeld benutzt. Nachdem wir den Rest der Familie begrüßt hatten, gab es erst einmal Catechintee mit Ingwer und Honig, da einige aus unserer Gruppe mit einer Erkältung zu kämpfen hatten. Auch die Gesunden liessen sich den Tee schmecken. Der sonst wegen der in ihm enthaltenen Gerbstoffe sehr bittere Tee war mit Ingwer und Honig einfach lecker. Wenn alles klappt, werden wir zukünftig ihn als Bio Catechin-Ingwertee im Angebot haben. Catechintee wird aus der Benifuki Pflanze gemahlen, einem Assam Hybriden. Die Benifuki Pflanze wurde in den 90er Jahren aus Assamica Pflanzen gezüchtet, die früher für die Schwarzteeherstellung für den Export verwendet wurden. Da die Benifuki in Japan wegen des sehr hohen Catechingehaltes als Medizinpflanze eingesetzt wird, benötigt man für den Anbau und Weiterverkauf der Pflanzen eine staatliche Lizenz. Die Vergabe der Lizenz soll sicherstellen, dass die für die Wirksamkeit der Pflanze notwendigen Schritte beim Anbau, bei der Ernte und der Verarbeitung eingehalten werden. Nach dem sehr interessanten Thema Benifuki und Catechintee gab es einige Tassen Miyazaki Tokujou, die verschieden aufgegossen wurden, wobei sich sein Aroma sehr stark veränderte.

Das lag an den verschieden Temperaturen, in denen er aufgegossen wurde. Kühleres Wasser bedeuten mehr Aminosäuren und mehr Süße, heißeres Wasser mehr Coffein und Tannin, somit mehr Bitterkeit. Shigeru Morimoto blendet den Tokujou Sencha hauptsächlich aus 4 verschiedenen Gewächsen: Yabukita, Okumidori (tiefes Grün), Okuyukata (tief und gehaltvoll) und Minami Sayaka (südliche Frische). Gleich kam von uns die Frage bezüglich der Minami Sayaka, südliche Frische, ob es auch weitere Sayaka Pflanzen gibt und woher sie ursprünglich kommt. Shigeru erklärte uns, dass die Sayaka Pflanze im Ursprung aus Saitama nördlich von Tokyo kommt. Sie wurde nach Kyushu gebracht und dort zur Minami Sayaka gezüchtet. Die Pflanze gedeiht sehr gut auf Kyushu und hat eine große Widerstandskraft gegen Schädlinge und Krankheiten, also bestens geeignet für Bio Anbau. Da das Wetter nun aufklarte, fuhren wir auf die Teefelder der Morimotos.

Auf dem Teefeld, das wir besuchten, wird Yukata Midori angebaut, eine Sorte, die sehr früh geerntet werden kann. Sie ist sehr empfindlich gegen Frost, dafür aber widerstandsfähig gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Ihre jungen Knospen haben einen feinen, weißen Flaum. Ganz früh geerntet kann man daraus eine Art „Weißen Tee“ produzieren.

Bei der Verarbeitung muss man darauf achten, die feine Oku Yutaka nicht so stark zu dämpfen, da man sonst den Tee verdirbt. Ein Teil des Teefeldes, vor dem wir standen, war mit Netzen abgedeckt, die dem Kabuse Cha seinen Namen geben.

Die Netze sorgen dafür, dass durch die fehlende Sonne im Verhältnis mehr Aminosäuren und weniger Catechine, beide stehen in einem Verhältnis, gebildet werden. Dadurch wird der der Tee grüner, milder, süßer und weniger bitter. Da Shigeru diesen Eingriff in die Natur nicht wirklich mag, weil er die Pflanzen schwächt, baut er auf diesem Feld nur maximal 10 % Kabusecha an. Das will er auch nur so lange machen, bis die Netze kaputt gehen. Die Netze bleiben für Kabuse Cha 10 Tage, für Gyokuro etwas über 2 Wochen und für Tencha mehr als 20 Tage auf den Büschen. Morgen werden wir von diesem Feld ernten und unseren eigenen Shincha produzieren!! Wir sind extrem gespannt und werden morgen darüber einiges berichten. Heute dürften wir dafür erst einmal durch die Felder gehen, und Blätter aus den Teebüschen sammeln.

 

Müde von einem langen Tag in den Teefeldern verabschieden sich
Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

 

Im Bio Teegarten gab es heute viel an Leben zu entdecken:

 

Kyoto /Miyazaki, 21.04.2012 – Teemeisterin En / Zugfahrt nach Miyazaki

Heute fuhren wir von Kyoto nach Miyazaki, wo wir die Familie Morimoto treffen sollten, vorher hatten wir aber noch Zeit für einen Besuch bei Teemeisterin En. Ihre Lehrerin erklärte uns dort Philosophie hinter der Matcha Zeremonie und tranken zusammen eine Schale Matcha. Dann mussten wir uns beeilen, denn der Shinkansen würde nicht auf uns warten. Nach 7,5 Stunden kamen wir bei Regen in Miyazaki an.
Hier ein paar kurze Eindrücke unseres Tages:

Morgen werden wir bei der Familie Morimoto sein, sofern das Wetter mitspielt, auch in den Teefeldern sein. Zur Zeit geht hier aber die Welt unter und es regnet seitwärts….

Wir drücken die Daumen für besseres Wetter und senden viele Grüße nach Deutschland!

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Uji, 20.04.2012 – Bio Teegärten von Hr. Okuda / Matcha Herstellung

Heute morgen um 8:30 Uhr ging es los Richtung Uji, um den Teegarten von Herrn Okuda in Wazuka am Fuße des Washi Mine Yama (Falken-Gipfel Berg) oder Jubu San, wie ihn die Einheimischen nennen, zu besuchen.

Unter anderem aus diesem Teegarten kommt der Tencha für unseren Uji Premium Matcha. Drei Orte, Wazuka eingeschlossen, die um den Berg Jubu San liegen, gelten als die besten Anbauorte für Uji Tee. In Wazuka angekommen, besichtigten wir zusammen mit Herrn Okuda die in einiger Höhe gelegenen Teefelder, auf denen er abgedeckten Tee für Gyokuro und Tencha anbaut.

Die Teebüsche von Okuda San sind ca. 20 Jahre alt und können bis zu 70 Jahre alt werden. Von Zeit zu Zeit, wenn die Pflanzen an Kraft verloren haben, müssen sie geprunt(stark zurückgeschnitten) werden, damit sie wieder Ertrag bringen, denn das Abdecken kostet die Pflanzen viel Kraft.

Okuda San bewirtschaftet seine Bio Felder mit großer Hingabe. So steht er, wenn Frost zu erwarten ist, nachts auf, um die Funktion der Ventilatoren zu überprüfen, die seine Teefelder vor Frost schützen. Ohne diese würden die Pflanzen Schaden nehmen, denn im Winter gibt es des öfteren Frost. Okuda San verwendet nur Rapstrester als Dünger. Er erklärte uns, dass der Verzicht auf konventionellen Dünger den Geschmack und die Farbe des Tees verändert. Sein Tee ist etwas weniger grün und hat einen milderen Geschmack, wohingegen konventionell gedüngter Tee viel grüner und stärker im Geschmack ist. Dafür verliert konventioneller Tee aber laut Okuda San seine Natürlichkeit. Okuda San will aber nur den besten natürlichen Geschmack und den gesundheitlich beste Tee für seine Kunden.

Nachdem wir Ihm unsere Geschenke überreicht hatten, ging es weiter zur Teefabrik, um uns die Matchaherstellung anzuschauen. Dort angekommen mussten wir Overalls, Haarnetze und fabrikeigene Schuhe anziehen, um die Fabrik betreten zu dürfen. Im Erdgeschoß der Firma wird Aracha (Rohtee) nach Qualitäten sortiert und dann durch kurze trockene Hitze sterilisiert, um dann für den Weiterverkauf abgepackt zu werden. Weiter ging es ins Obergeschoß. Dort waren einige Abpackstationen für Tee für den Export zu sehen und, woauf wie uns schon sehr freuten, die Matcha Produktion. Wir kamen in einen Raum, an dessem hinteren Ende eine große Mühle für Taberucha, Koch Matcha stand. An den Wänden standen Schränke mit durchsichtigen Türen, in denen sich die Steinmühlen für traditionellen Matcha drehten.

In der Mühle für Taberucha zerschlagen Keramikkugeln den Tencha in 15 Mikrometer feines Pulver, die, wenn man den Taberucha als Tee trinkt, ein leicht sandiges Gefühl auf der Zunge hinterlassen. Auch ist der Taberucha wegen der geringeren Feinheit im Gegensatz zu traditionellem Matacha weniger grün.

Der traditionelle Matcha hingegen, der in sich gegen den Uhrzeigersinn drehenden Steinmühlen zu 10 Mikrometer feinem Pulver gemahlen wird, hinterlässt ein samtiges Gefühl im Mund und hat ein leuchtenderes Grün. Tencha, der für die Matcha und Taberucha Herstellung benötigt wird, ist, wie Gyokuro, abgedeckter Tee. Für die jeweiligen Qualitäten werden die Blätter bis zu einer bestimmten Höhe gepflückt. So werden für unseren Premium Matcha die obersten 3, für den Uji Matcha 1, den wir neu ins Sortiment aufnehmen, die obersten 5 Blätter. Je mehr Blätter gepflückt werden, desto einfacher die Qualität. Nach der Pflückung werden die Stängel mit einer Maschine aussortiert, anschließend die Blätter vorgeschnitten und weiter harte Teile des Blattes aussortiert. Das Ergebnis sind flache unregelmäßige Blatteilchen ohne Blattrippen oder Stengel, der Tencha.

Die Maschine für Taberucha Matcha kann aus Tencha innerhalb einer Stunde 10 Kg Pulver mahlen, die Steinmühle hingegen nur ca. 40g. Dies erklärt den großen Preisunterschied zwischen den beiden Pulverteesorten. Nachdem wir alle Fragen gestellt und viele Fotos gemacht hatten, ging es zum Mittagessen in ein Teehaus, dass sich auf Gerichte mit Tee spezialisiert hat und in dem man auch Matcha selbst mit Steinmühlen mahlen kann.

Nach dem Essen wurden wir in einen Raum mit Steinmühlen geführt und begannen nach kurzer Einweisung, unseren eigenen Matcha zu mahlen.

Dabei mussten wir aufpassen, dass wir die Mühlen nur langsam drehten, weil sonst die Qualität leiden würde.

Nach ca. 20 Minuten kräftezehrendem mahlen, bei dem wir nur eine Umdrehung pro 3 Sekunden machen sollten, hatten wir jeweils genug für 2 kleine Schalen Matcha zusammen, die wir dann zusammen mit einer Süßigkeit aus Houjicha verkosten durften. Nach der ganzen Mühe schmeckte der Matcha einfach köstlich!

Leider war es nun auch schon fast Zeit für die Rückfahrt nach Kyoto. Morgen besuchen wir die Teemeisterin En zu einer Matcha Schulung und gegen Mittag geht unser Zug nach Takanabe/Miyazaki. Da die ca. siebenstündige Fahrt morgen landschaftlich viel bieten wird, gibt es morgen Abend dann etwas weniger Text, dafür aber viele Fotos. Wir freuen uns sehr über Ihre Nachrichten und danken vielmals allen, die uns bis jetzt geschrieben haben.

Bis morgen aus Kyushu

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Kyoto, 19.04.2012 – Eindrücke der Stadt

Nun sind wir endlich in Japan angekommen. Nachdem wir gestern ab morgens wechselnd mit Zug und Flugzeug unterwegs waren und nach vielen, vielen Stunden unterwegs gestern gegen 23 Uhr in unsere Hotelzimmer konnten, stand heute ein ruhiger Tag auf dem Programm. Da wir noch auf Mitreisende warteten, die heute zu uns stoßen sollten, hatten wir Zeit, die Stadt zu erkunden und etwas einzukaufen. Hier also ein paar Eindrücke aus einer der schönsten Städte Japans:

Morgen fahren wir früh nach Uji ab, um uns die Matchaherstellung anzusehen, freuen Sie sich auf einen ausführlichen Bericht!

Bis dahin sagen wir gute Nacht und bis morgen!

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Hangzhou, 17.04.2012, Chinese Tea Museum / Jing Shan Tea Factory

Heute besuchten wir das Tee Museum. Nachdem wir dort nach einer langen und staureichen Taxifahrt ankamen, erwartete uns ein ganzes Gebäude voller Informationen über Teesorten, Verarbeitung und Geschichte und was uns überraschte: Der Eintritt war frei! Zuerst wurden die Pflanzen erklärt und im Anschluss auf die verschiedenen Maschinen zur Teeherstellung eingegangen.

Ein Raum war ausschließlich für die Ausstellung der verschiedenen chinesischen Teesorten reserviert, wo man etwas über einige Sorten grüner, schwarzer, dunkler (z.B.Pu Erh), weißer, gelber und Oolong Tee erfahren konnte.

Ganz Interessant waren die Schaubilder im letzten Raum, wo uns noch einmal die genauen Unterschiede in der Verarbeitung der einzelnen Tees erklärt wurden. Die war vor allem im Bezug auf gelben Tee interessant, da wir bald einen sehr hochwertigen gelben Tee ins Angebot aufnehmen werden. Nach dem Mittagessen wurden wir von Professor Han (TRI) abgeholt und zu einer Bio zertifizierten Teefirma am Jing Shan gebracht. Das dortige Teegut baut unter anderem Anxi Bai Cha an, bei dem es sich nicht, wie der Name sagt um einen weißen, sondern um einen grünen Tee handelt.

Wir haben uns alle in den Tee verliebt und hoffen, dass wir zukünftige einen Anxi Bai Cha in unser Sortiment aufnehmen können. Die Teefirma produziert auf 200 Hektar 200 Tonnen normale Qualitäten für den Export, überwiegend für Japan und 10 Tonnen so genannten Famous Tea, der 95% des Umsatzes ausmacht. Hier können 500g einer Spitzenqualität gerne 600 Euro kosten. Diese Famous Teas wären komplett im Inland verkauft. Nun ging es über Serpentinen in die Berge, auf denen die Teefelder lagen.

Durch die große höhe gibt es dort so gut wie keine Schädlinge, was sehr positiv für den Bio Anbau ist. Nachdem wir einige Zeit das wunderschöne Panorama genossen hatten und dabei noch ein paar Fragen stellen konnten, ging es schon wieder zurück nach Hangzhou. Morgen früh geht unser Zug nach Shanghai, von wo aus wir dann weiter nach Japan fliegen. Damit endet der erste Teil unserer Reise und wir hoffen das Lesen hat bis jetzt informiert uns Spass gemacht.

 

Bis bald aus Japan

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

Hangzhou, Tea Research Institute, 16.04.2012 – West Lake Long Jing

Nachdem wir gestern einen recht ruhigen Tag hatten, fuhren wir heute morgen zum Tea Research Institute, kurz „TRI“.

Das TRI wurde 1958 gegründet und ist das einzige in China. Es deckt alle Bereiche des Teeanbaus mit seinen Forschungen ab. Es gibt unter anderem Abteilungen für Aufzucht, Bodenforschung, Genetik, Bio Anbau (mit EU Akkreditierung) und Pflanzenschutz, Biochemie und für Extrahierung von Teebestandteilen für Lebensmittel und Kosmetik. Darüber hinaus fungiert das TRI, bzw. eine Abteilung als Bio Kontrollstelle für China.  Uns begrüßte uns Mr. Han Wenyan, leitender Professor für Anbau, Pflanzenforschung und Bodenkunde, der auch stark im Bio Bereich tätig ist.

Als erstes wurde uns ein Glas mit einem wirklich sehr guten West Lake Long Jing aufgegossen, dann ein Vortrag über den Teemarkt in Europa gehalten und uns Fragen bezüglich unserer Einschätzung des Marktes und der vergangenen und zukünftigen Entwicklung im konventionellen und Bio Bereich gestellt. Nach vielen weiteren Fragen und Gläsern Tee war es dann Zeit für das Mittagessen.

Hier erfuhren wir einige neue Informationen rund um den Long Jing, dessen Ursprung am West Lake liegt. Die verwendete Pflanze ist hauptsächlich die Long Jing Nr.43, die anders als uns in En Shi erklärt wurde, speziell für den Long Jing gezüchtet wurde. Der Tee wird am West Lake, dessen Teefelder unter UNESCO Schutz stehen, hauptsächlich von kleinen Bauernfamilien mit weniger als einem Hektar angebaut, selbst verarbeitet und wegen des hohen Preises auch selbst verkauft. Die Produktion von Tee mit dem Namen Long Jing darf in China nur in Zhejiang, genauer am West Lake, in Qiang Tong/ Hangzhou und in Souxing erfolgen und kann deshalb die innerchinesische Nachfragen nicht decken. West Lake Long Jing in bester Qualität und aus frühster Ernte kostet hier vor Ort gerne 1600 Euro pro Kg und mehr. Auch interessant war, dass es am West Lake laut TRI keinerlei Bio Anbau gibt, denn der Ertrag bei Bio ist geringer, der Preis dafür gleich und in Anbetracht der erzielten Preise für das Kg ist es für die Bauern hier nicht interessant, auf Bio umzustellen. Nach dem Mittagessen führte uns Mr. Han durch das TRI, wo gerade West Lake Long Jing hergestellt wurde. Die traditionelle Herstellung läuft anders als die Herstellungen ab, die wir in vorherigen Berichten beschrieben haben und ist in zwei Phasen unterteilt. In Phase 1, dem Sa-qing (siehe vorherige Berichte), werden jeweils ca. 100 g bei hoher Temperatur in tiefe, elektrisch beheizte Pfanne gedrückt, wobei der Tee kleine Blasen wirft und leicht „brutzelt“.

Dies wird wiederholt, bis eine Menge von ca. 300 g zusammen gekommen sind. Nun lässt man die Blätter für 1 Stunde ruhen, damit sie abkühlen können und sich die Feuchtigkeit gleichmäßig im Blatt verteilt. Danach erfolgt Phase 2, das Formgeben und trocknen, das ca. 40 Minuten in Anspruch nimmt., dabei entsteht die flache Form und der Glanz des Long Jing.

Von den 300 g Tee zu Anfang sind jetzt ca. 60 bis 70g übrig geblieben. Man kann grob sagen, dass man aus 4,5 bis 5 Kg Rohblättern 1 Kg an fertigem Long Jing erhält.

Weiter ging es nun zu den Versuchsfeldern, auf denen über 200 Pflanzen von verschiedenen Teegewächsen standen, die sich durch Farbe und/oder Form der Blätter unterschieden. Das TRI verfügt über einen  Pool von 300 verschiedenen Teepflanzen.

Wir entdeckten einige Schädlinge an den Blättern und fragten, wie diese bekämpft würden, worauf uns Mr. Han erklärte, dass in erster Line versucht wird, mit nicht chemischen Stoffen zu arbeiten. So gibt es Bakterien, Viren und Pheromonfallen, mit denen die Schädlinge bekämft werden, nur wenn dies nicht gelingt, wird im Sommer nach der Ernte gespritzt. Die Viren, die  gegen die, je nach Übersetzung Tausendfüßler oder Raupen eingesetzt werden, werden am TRI gezüchtet. Man züchtet sie auf den Schädlingen selbst, extrahiert sie und hat ein biologisches Abwehrmittel, das dann von den Bauern eingesetzt werden kann.

Nach einem kurzen Besuch des institutseigenen Ausstellungsraum über Teeherstellung und Verwendung seiner Inhaltsstoffe war es Zeit zu gehen. Wir bedankten uns für den Interessanten Austausch und machte den Treffpunkt für unseren morgigen Besuch im Bio Teegarten aus, vorher werden wir aber noch das chinesische Teemuseum erkunden.

 

Wir freuen uns auf morgen und grüßen aus China.

 

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel

 

Hangzhou, 15.04.2012 – Eindrücke aus dem Teehaus

Da heute Sonntag ist, gönnten wir uns einen Besuch im Teehaus direkt am West Lake. Zuerst fanden wir den Preis von umgerechnet über 20 Euro extrem überteuert, nachdem wir aber erfuhren, dass dies für Speisen und Tee (Lung Ching 1st Grade, ein Special Grade Lu Cha und ein Phoenix Dan Chong) für unseren kompletten Besuch galt, relativierte sich der Preis. Kurzum, wir blieben und erlebten die wohl tollste(n) Teestunde(n) unseres Lebens und unser Spaziergang um den West Lake. Hier ein paar Impressionen des Tages.

Morgen steht bei uns das Tea Research Institute und ein Besuch im Teemuseum auf dem Terminplan. Wir werden sicherlich wieder viel Interessantes berichten können.

So geht dieser Sonntag zu Ende und wir freuen uns auf morgen.

Renate Ott-Thiel, Angelika Herzing und Christof Heinickel